Ausgabe: 11 / 2008
Seite: 120
Wer im Glashaus sitzt ...
Von Birgit Sonna
Streitfall: Unternehmen stellen im Haus der Kunst aus
Für die Auswahl der Arbeiten waren allein ich und mein Co-Kurator Karl Valentin verantwortlich." So süffisant wehrte Udo Kittelmann im Vorfeld jedes Verdachtsmoment ab, dass er sich von einem der mit Riesenspendierhosen ausgestatteten Unternehmen habe reinreden lassen.
Der designierte Direktor der Berliner Nationalgalerie heuerte als Gastkurator für die Ausstellung "Brillantfeuerwerk" im Haus der Kunst in München an. Hier werden elf Unternehmen aus der bayerischen Hauptstadt mit exquisiten Stücken aus ihren Sammlungen vorstellig.
Das Prekäre: Der Direktor des Hauses der Kunst Chris Dercon zehrt offenbar von einer Art produktiven Schizophrenie. Denn erst vor wenigen Monaten geißelte er die Projektreihe "Carte Blanche" in der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig als "Wahnsinn" und "Opportunismus", weil Leiterin Barbara Steiner aus Geldmangel ihr Haus für private Sammler, Unternehmen und Galerien zur Verfügung stellt.
Jetzt kassiert man in München von jedem der elf Unternehmen 70 000 Euro für den Auftritt in den "heiligen" Hallen im Haus der Kunst ab.
Die museale Politur des Unternehmensengagements erbringt ein Budget von insgesamt rund 800 000 Euro, von dem, kaschiert durch die erhobene Miete für Räume, eine nicht offen gelegte Summe in die Kassen des Kunsthauses gespült wird.
Aber Anlass für selbstkritische Überlegungen sieht Dercon nicht:
"Was Frau Steiner in Leipzig macht, ist etwas vollkommen anderes als ‚Brillantfeuerwerk'. Für uns ist es eine Kooperation auf Augenhöhe und keine Auslieferung an die Bedürfnisse privater Sammler, denen ohne Rücksicht auf Inhalte das Know-how und die Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden." Termin: bis 11. Januar 2009.
Internet: www.brillantfeuerwerk.eu
Bildunterschrift:
Jenny Holzers "BMW Art Car" (1999) in der Schau "Brillantfeuerwerk"
Direktor: Chris Dercon
Gastkurator:
Udo Kittelmann
