Ausgabe: 11 / 2008
Seite: 121

Sieg der Landschaftsschützer über die bunten Kunststoffhasen von Ostfildern

Von Adrienne Braun

GLOSSE

Naturschutz ist eine ernste Angelegenheit. Da mag man ein Herz haben für köttelnde Hasen und rammelnde Karnickel. Bei "Sitz- und Flitzhasen" aber ist Schluss mit lustig. Schwäbische Naturschützer fanden es gar nicht komisch, als sich auf einer Wiese in Ostfildern 24 pinkfarbene und gelbe Riesenhasen aus Kunststoff niederließen und um eine sich sanft im Wind wiegende überdimensionale Möhre gruppierten.

Eine Installation, die die schwäbische Künstlerin Rosalie 2002 zur Landesgartenschau präsentierte.

Ob sich Amseln, Würmer und echte Hasen von den neuen Nachbarn gestört fühlten, ist unbekannt. Die Naturschützer jedenfalls protestierten sechs Jahre lang gegen die Skulpturengruppe, denn die Hasen tummelten sich auf einer Magerwiese mitten im Landschaftsschutzgebiet. In einem solchen darf man picknicken, Drachen steigen lassen oder Fiffi Gassi führen. Kunst und Kunststoffhasen aber sind verboten - und müssen weg. Da konnte die Stadt, um Umzugskosten zu sparen, noch so viele Kompromisse anbieten. Die Naturschützer blieben eisern beim Nein.

Vor kurzem endlich rückten Bagger an, und weil die Hasen nicht wie angenommen in einem Kiesbett, sondern in einem Betonfundament steckten, kam noch ein Schwerlastkran zum Einsatz. Kostenpunkt:

21 000 Euro. Das muss einem der Naturschutz wert sein. Familie Lampe nahm den Umzug gelassen. Die "Sitz- und Flitzhasen" - seither besser als "Witzhasen" bekannt - hocken nun nur 300 Meter vom alten Standort entfernt - außerhalb des Landschaftsschutzgebiets.

Bildunterschrift:

Die "Sitz- und Flitzhasen" (2002) von Rosalie mussten umziehen