Ausgabe: 11 / 2008
Seite: 120

Geduldsprobe für V-Männer

Von Kerstin Schweighfer

Raub: Gestohlene Gemälde aus Haarlem sichergestellt

KERSTIN SCHWEIGHÖFER

Er hatte die Hoffnung längst aufgegeben, doch vor wenigen Wochen erhielt Kustos Pieter Biesboer vom Frans-Hals-Museum in Haarlem einen Anruf von der Polizei: Er könne sich freuen, die fünf Gemälde seien wieder da, die 2002 aus dem Museum geraubt worden waren - alles Genrestücke aus dem 17. Jahrhundert, darunter "Der zufriedene Trinker" und "Der Quacksalber" von Adriaen van Ostade sowie ein weiterer "Quacksalber" von Jan Steen. Der Versicherungswert der fünf Gemälde beträgt drei Millionen Euro. Die Rahmen aus dem 17. Jahrhundert wurden zum Teil irreparabel beschädigt; bei drei Bildern hat die Leinwand Kratzer abbekommen.

Die Polizei hatte die Ermittlungen schon eingestellt. Doch 2007 bekam sie einen Tipp: Ein Geschäftsmann aus Herzogenbosch wolle die gesuchten Werke verkaufen. Daraufhin wurden V-Männer aus Großbritannien als angebliche Käufer eingesetzt.

"Briten erschienen uns sicherer", so Polizeichef Albert van de Wetering. Fast 20 Monate wurde verhandelt, dann war der Deal perfekt. Mit einem Koffer voller Geld - die Summe ist unbekannt - begaben sich die V-Männer zu einem Haus in Boxtel im Süden der Niederlande, wo die Übergabe stattfinden sollte.

Ein Einsatzkommando wartete, um das Haus zu stürmen, musste aber wieder abziehen, denn die Briten erhielten nur vier Gemälde; ausgerechnet der wertvolle Jan Steen fehlte. Das Bild sollte am nächsten Tag nachgeliefert werden. Die angeblichen Käufer ließen sich darauf ein, und ihre Geduld wurde belohnt:

Nachdem ihnen auf einer Raststätte bei Eindhoven der "Quacksalber" übergeben worden war, schlug die Polizei zu. Sie überwältigte den 69-jährigen Geschäftsmann und seinen 23-jährigen Komplizen. Verhaftet wurde auch dessen 54-jähriger Vater, der einschlägig als Mafioso bekannt ist.

Auch ein Anwalt gilt als verdächtig.

Er soll sich im Auftrag der drei der Hehlerei schuldig gemacht haben. Zufrieden aber ist van de Wetering nicht: "Wir haben die Hehler, nicht die Räuber!"

Bildunterschrift:

Auch "Das Trinkgelage" von Cornelis Dusart (um 1700) ist wieder da