Ausgabe: 11 / 2008
Seite: 19
Was sagen Sie zu F. C. Gundlachs Grabmal?
Von
INTERVIEW MIT GEROLD EPPLER, MUSEUM FÜR SEPULKRALKULTUR KASSEL
Der Hamburger Fotograf hat sich ein bemerkenswertes Grabmal für seine Zeit auf dem Ohlsdorfer Friedhof entwerfen lassen: ein Mauso leum, also ein Gebäude, in dem sein Leichnam dauerhaft eingelagert werden wird. So aufwändige Bauten sind seit dem Zweiten Weltkrieg selten ge worden in Deutschland. Nur Sinti und Roma begnügen sich nicht mit einem einfachen Grabzeichen, also einem Stein, einer Stele, einem Pfeiler mit Gravur. Sie bestatten ihre Angehörigen traditionell in unterirdischen Gruftanlagen, die oberirdisch mit einem Bauwerk geschmückt werden.
Was ist das Besondere an F. C. Gundlachs Mausoleum?
Einfach alles! Das Design ist klar und schlicht, ebenso das Material: Beton - ein unglaublich ehrliches Material, so pur und schnörkellos. Auch das eingegossene Foto von Gundlach ist gut gewählt: die Pyramiden sind ja die berühmtesten Grabmale überhaupt.
Braucht man für außergewöhnliche Grabbauten eine Sondergenehmigung?
In diesem Fall bestimmt, weil es so groß ist. Aber generell kann man seiner Kreativität beim Grabzeichen völlig freien Lauf lassen - solange man die Friedhofswürde nicht verletzt. Ich glaube, dass die meisten Leute das nur nicht wissen, sonst gäbe es auf den deutschen Friedhöfen nicht diesen unsäglichen Einheitslook.
