Ausgabe: 11 / 2008
Seite: 53

"Internationale Künstler wollen am liebsten in Berlin ausstellen"

Von Tim Sommer, Elke Buhr

Monika Sprüth und Philomene Magers haben Trends kommen und gehen sehen. Jetzt eröffnen die Kölner Galeristinnen, die Stars wie Andreas Gursky und Rosemarie Trockel vertreten, neue Räume in Berlin-Mitte. Hatten sie keine andere Wahl?

ELKE BUHR\TIM SOMMER

art: Frau Sprüth, Frau Magers, Sie gelten als Galeristinnen, die nicht jeden Hype mitmachen. Jetzt schließen Sie Ihr Stammhaus in Köln und ihre Dependance in München gehen nach Berlin - nur London wird als zweiter Standort bleiben.

Warum gerade jetzt Berlin?

Monika Sprüth: Für uns bedeutet es eine neue Konzentration auf das Wesentliche. Es macht keinen Sinn, zu viele Standorte zu haben, das bindet Energie und Kraft und vermittelt den Eindruck, ein Riesenimperium aufzubauen, was eigentlich nicht unsere Intention ist.

Wir wollen Dienstleister und Berater der Künstler sein und inhaltlich arbeiten. Und um sich darauf zu konzentrieren, reicht es völlig aus, wenn man in Deutschland nur einen vernünftigen Ausstellungsort hat.

Philomene Magers: Schon bevor wir 1999 die Galerie in München eröffnet haben, wollten wir eine Galerie in Berlin aufmachen. Wir haben gezögert, weil wir nicht sicher waren, ob Berlin nicht wirklich nur ein Hype ist. Aber in den letzten Jahren hat sich herauskristallisiert, dass Berlin ein neues kulturelles Zentrum ist.

Es war aber sicher auch eine ökonomische Entscheidung?

Sprüth: Wir gehen nicht davon aus, dass wir jetzt mehr verkaufen. Berlin ist einfach einer der wichtigen Orte, wo der Diskurs geführt wird. Und in Berlin gibt es viel mehr Publikum für die Ausstellungen. Wenn man den Aufwand von Ausstellungen betreibt, dann ist es natürlich wichtig, dass viele Leute sie sehen.

Magers: Und die Künstler haben ein großes Interesse, in Berlin ausgestellt zu werden. Vor allem die internationalen Künstler wollen in Deutschland am liebsten in Berlin ausstellen.

Sind die Künstler in diesem Sinne an Sie herangetreten?

Sprüth: Nein, das ist unsere Entscheidung.

Magers: Aber die Künstler haben sich gefreut, besonders die internationalen Künstler.

Mit dem Umzug nach Berlin haben Sie gleichzeitig eine klare Entscheidung gegen den Kunststandort Köln, gegen den Kunststandort München getroffen.

Magers: Nein, überhaupt nicht.

Beide Standorte haben gute Sammler und eine große Tradition.

Sprüth: Mir tut es auch Leid um unsere Standorte. In Berlin ist ja auch nicht alles toll. Köln ist ein Kunststandort mit einer langen Tradition was sich auch immer positiv auf die Rezeption ausgewirkt hat. Und während Frau Magers nach Berlin zieht, bleibe ich in Köln wohnen und habe auch ein Büro da, weil viele unserer Künstler die Betreuung vor Ort brauchen.

In Berlin beziehen Sie nun Räumlichkeiten musealen Ausmaßes an der Oranienburger Straße, der Blick geht auf die Museumsinsel - war das eine bewusste Entscheidung?

Sprüth: Das war Zufall, wir brauchten Räume, die nicht so lang umgebaut werden mussten.

Magers: Es ist immer noch nicht klar, wo in Berlin sich die Galerien dauerhaft ansiedeln werden. Aber zur Museumsinsel werden immer Menschen kommen, um Kunst zu sehen. Und schön an den Räumen ist, dass sie auch Platz für unseren neuen Laden für Künstlerfilme bieten. Wir versuchen langfristig, dort alle wichtigen Filmdokumente anzubieten, die sonst immer sehr schwer zu bekommen sind.

In Berlin gibt es mittlerweile nach offizieller Zählung 440 Galerien.

Was raten Sie den jungen Kollegen?

Sprüth: Die sollen überlegen, warum sie das machen wollen. Welche Motivation dahinter steckt.

Magers: Man kann einfach nur versuchen, seine Arbeit so gut und sauber wie möglich zu machen.

Oder man macht eben wahnsinnig tolle Partys.

Sprüth (lacht): Machen wir dann auch, von Zeit zu Zeit.

Bildunterschrift:

"Berlin ist einfach einer der wichtigen Orte, wo der Diskurs geführt wird." MONIKA SPRÜTH

Galeristinnen Monika Sprüth und Philomene Magers