Ausgabe: 11 / 2008
Seite: 128
Lampen und Vasen
Von
Umfassende Monografie zum Werk von Tobias Rehberger
Eine Rehberger-Ausstellung gibt einem in der Regel das Gefühl, als bekomme man zum ersten Mal ein exotisches Gericht vorgesetzt: Es sieht fantastisch aus, doch man fragt sich, ob die Bedienung das Besteck vergessen hat oder ob man mit den Fingern essen soll, ob das Weiße ins Rote gerührt werden muss oder nicht. Kurz gesagt: Man ist verunsichert, weil man nicht versteht, warum die Lampen über dem Fußboden hängen oder überall Blumenvasen herumstehen.
Titel wie "Adipöse Enkelin" (2004) für ein Baumhaus oder "Mutter 93%" (2002) für eine Plexi glasgarage helfen auch nicht weiter. Abhilfe schafft nun eine Monografie zum Werk des Frankfurter Konzeptkünstlers. Endlich erfahren wir, worum es bei den meist neonschrillen Skulpturen tatsächlich geht, dass etwa die gemusterten Pullover keineswegs vom Künstler selbst, sondern von Aufsichtsdamen gestrickt wurden, die auf Rehbergersche Wandmalereien starrten. Die Titel allerdings bleiben ein Geheimnis.
Bei exotischen Speisen braucht man schließlich auch nicht sämtliche Zutaten zu kennen, um sie zu genießen. S. D.
Tobias Rehberger 1993-2008. DuMont Buchverlag. 260 S., 206 Abb., 49,90 Euro
