Ausgabe: 10 / 2008
Seite: 94-95
Alte Fotos sind wie alte Freunde
Von Petra Bosetti
AACHEN: ARTHUR LEIPZIG
Eine Entdeckung: Fotos des Amerikaners im Suermondt-Ludwig-Museum.
Aufnahmen bedeutender Fotografen haben unser Bild der Stadt New York im 20. Jahrhundert entscheidend geprägt: einfühlsame Menschenporträts und fast grafisch wirkende Architekturfotografien von Walker Evans und die nächtlichen Schreckensvisionen von Weegee aus den dreißiger Jahren, die dunstverhangenen Skyline-Silhouetten von Andreas Feininger aus den vierziger Jahren oder schrille Broadway-Studien der Fünfziger von Lisette Model. Ein Name allerdings taucht in dem Zusammenhang viel zu selten auf: Arthur Leipzig.
Der Fotograf, 1918 in Brooklyn geboren, Absolvent der New Yorker Photo League, hat alle Facetten ausgelotet, die diese Megacity zu bieten hat. Das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum zeigt jetzt in der Ausstellung "Next Stop New York", organisiert von Sylvia Böhmer, zum ersten Mal eine Einzelausstellung des Fotografen in Deutschland.
Arthur Leipzig, der heute in Long Island lebt, war Fotojournalist und bereiste im Auftrag seiner Arbeitgeber weite Teile der Welt. "Während meiner Jahre als freischaffender Fotojournalist verbrachte ich eine Menge Zeit mit Reisen. Immer in Eile, schoss ich meine Aufträge, wählte die geeigneten Fotos aus und eilte zum nächsten Auftrag", erinnert sich Leipzig.
Aber gerade die Fotos, die nicht zur Veröffentlichung bestimmt waren, sind das eigentliche Lebenswerk des Fotografen.
Erst spät begann er, seine fotografische Ausbeute nach Aufnahmen zu durchforsten, die er - losgelöst von jeglicher Auftragsarbeit - veröffentlichen wollte. "Das war Pflicht und Freude zugleich", sagt er.
"Alte Fotos zu entdecken, an die ich mich nur noch vage erinnert habe, ist wie alte Freunde treffen." New York ist der Schwerpunkt, auch in der Aachener Ausstellung. Leipzig beobachtete Kinder beim Spielen in den Straßenschluchten, lichtete Menschen in der U-Bahn ab, hielt Straßenszenen mit nass glänzendem Asphalt fest, studierte das menschliche Freizeitverhalten auf Coney Island, ohne den voyeuristischen Touch eines Weegee. Leipzig wählte häufig kühne Perspektiven: In einer Aufnahme der Brooklyn Bridge nähert er sich dem oft fotografierten Stahlbauwerk einmal völlig anders - aus der Vogelperspektive.
Termin: 20. September bis 14. Dezember.
Katalog: Prestel Verlag, 29 Euro, im Buchhandel 39,95 Euro. Internet: www.suermondt-ludwigmuseum. de, www.arthurleipzig.com
Bildunterschrift:
"Untergrundbahn (Wall Street)" von 1949
"Pitt Street, Pool Line", Foto von 1947
Aus der Vogelperspektive: "Brooklyn Bridge", Aufnahme aus dem Jahr 1946
