Ausgabe: 10 / 2008
Seite: 96
Benutzen und dann wegwerfen
Von Joachim Hauschild
Das Vitra-Design-Museum ehrt den amerikanischen Entwerfer (1908 bis 1986)
WEIL AM RHEIN: GEORGE NELSON
Das Museum in Weil am Rhein hat nicht nur den gesamten dreidimensionalen Nachlass von Charles und Ray Eames erworben (und in mehreren Ausstellungstourneen gewürdigt), es besitzt auch den Nachlass von George Nelson. Die Ausstellung anlässlich seines 100. Geburtstags schließt überdies eine wichtige Lücke in der Rezeptionsgeschichte des modernen Designs. Denn es war Nelson, der als Designdirektor des Möbelherstellers Herman Miller (seit 1946)
Charles Eames und Isamu Noguchi zu der kleinen Firma holte.
Nelson hatte an der Universität Yale studiert und war bereits ein viel beachteter Architekturkritiker (er schrieb unter anderem für "Fortune" und "Harper's"), als ihn die Howard Miller Clock Company 1947 mit der Herstellung einer Reihe moderner Uhren beauftragte. So entstanden die "Ball Clock" und die "Eye Clock", heute Klassiker und wieder aufgelegt.
Nelsons Grundidee: die Uhr nicht nur als Zeitmesser, sondern als "dekoratives Element der Raumgestaltung".
Schon 1957 erkannte Nelson, dass der moderne Industriedesigner nicht jedes Produkt selbst gestalten konnte: An die Stelle des Individuums musste das Kollektiv treten. Unter Gesichtspunkten des Marketings aber galt dennoch nur ein Name: George Nelson.
Das "Marshmallow-Sofa" von 1956 mit seiner ungewöhnlichen Form, den an die schaumige Süßigkeit erinnernden runden Polsterkissen und seiner oft schrillen Farbigkeit nimmt Elemente der Pop Art vorweg. Es gehört wie der Coconut Chair aus demselben Jahr zu den prägnantesten Entwürfen Nelsons - ein Erfolg war es damals nicht.
Weniger spektakulär sind die Coffeetables, die bis heute produziert werden, ist die sogenannte Slat Bench (eine strenge Bank aus Holzlatten) und sind vor allem die Büromöbel, darunter der L-förmige Schreibtisch und das "Action Office".
Darüber hinaus war George Nelson auch als Architekt und Ausstellungsgestalter tätig.
Die Ausstellung berücksichtigt alle Aspekte seines Werkes. Über eines aber würde sich Nelson heute gewiss wundern: dass er als "Klassiker" gehandelt wird.
Denn seine Überzeugung war: "Wir machen einfach nur Dinge, die man benutzt und dann wegwirft."
Termin: 13. September bis 1. März 2009. Katalog:
79,90 Euro. Internet: www.design-museum.de
Bildunterschrift:
Uhr als dekoratives Element: "Ball Clock" (oben links, 1948). Vorweggenommene Pop Art:
"Coconut Chairs" (rechts) von 1956. Innovativer Gestalter: George Nelson (Foto um 1965)
