Ausgabe: 10 / 2008
Seite: 125

Eintritt frei für Saatchis Kunst

Von Hans Pietsch

Umzug: Londoner Sammler eröffnet jetzt sein neues Museum

Lange Zeit hat er für den Umzug aus dem früheren Sitz des Londoner Stadtparlaments an der Themse gebraucht, doch am 9.

Oktober ist es soweit: Nach mehrjährigem Umbau eröffnet Charles Saatchi sein neues Museum im ehemaligen Hauptquartier des Duke of York Regiments in der King's Road im Stadtteil Chelsea.

Seine erste Schau in dem klassizistischen Bau nennt der britische Supersammler "The Revolution Continues: New Chinese Art". 30 Künstler der chinesischen Avantgarde, die er seit mehreren Jahren mit Leidenschaft und viel Geld sammelt, zeigen Gemälde, Skulpturen und Installationen. Ob er wie zuvor auch andere Teile seiner immensen, sich ständig verändernden Sammlung, von Brit Art bis zur jungen amerikanischen Avantgarde, in einer permanenten Schau vorstellen wird, ist noch nicht entschieden.

Neben den Ausstellungsräumen beherbergt das neue Museum mit seinen rund 6500 Quadratmetern außer einer Buch handlung auch ein Café sowie Räume für die Museumspädagogik. Ein ganzer Flügel ist ausschließlich für junge Künst ler vorgesehen, die auf Saatchis erfolgreicher Webseite ihre Werke kommissionsfrei zum Kauf anbieten.

Dass Saatchi den Besuchern seines Hauses kein Geld abverlangt, auch nicht für kuratierte Sonderausstellungen, verdankt er einem Deal mit Simon de Pury. Der Chef des Auktionshauses Phillips de Pury & Company sponsert den freien Eintritt, als Gegenleistung soll der Sammler hauptsächlich bei ihm Werke zur Versteigerung einliefern.

Wie gefragt die Londoner Kunstszene noch immer ist, zeigt eine weitere Neueröffnung im Oktober: Die renommierte Pariser Galerie Yvon Lambert macht eine Dépendance in der Themsestadt auf. Zur Eröffnung am Hoxton Square präsentiert Lambert Arbeiten des Mexikaners Carlos Amorales.

Internet: www.saatchigallery.com; www.yvonlambert.com

Kasten:

"Überwältigt" war Bildhauer Anthony Caro (oben), als er den 1940 von einem brennenden britischen Bomber zerstörten Kirchenchor der mittelalterlichen Kirche Saint-Jean- Baptiste im nordfranzösischen Bourbourg erstmals betrat.

Vor allem das Licht beeindruckte ihn. "Darauf wollte ich antworten", sagt der 84-jährige britische Künstler. So baute er für die Diözese Lille in die inzwischen renovierte "Kapelle des Lichts" ein spiralförmiges Taufbecken aus Beton, zwei begehbare Türme aus Eiche sowie 15 Skulpturen (links eine Simulation des Kirchenchors). Am 11. Oktober ist Eröffnung.

Am gleichen Tag startet in Calais (Musée des Beaux-Arts), Dünkirchen (Lieu d' Art et Action contemporaine), und Gravelines (Musée du Dessin) eine große Caro-Retrospektive.

Bildunterschrift:

Imposant: das neue Museum des britischen Supersammlers Charles Saatchi im klassizistischem Bau in der Londoner King's Road