Ausgabe: 10 / 2008
Seite: 126

Unscheinbarer Kunsttresor

Von Claudia Bodin

New York: Lagerung von Kunst wird zum großen Geschäft

Es ist ihr Geschäft, möglichst unauffällig zu bleiben. Während Museen, private Kunstliebhaber und Galerien ihre Sammlungen ausbauen, wächst eine neue Kunstservice-Branche. In New York haben sich etliche Firmen etabliert, die sich auf die fachgerechte Lagerung, Verpackung und auf den Transport der wertvollen Ware spezialisieren.

Die Kunstschätze werden in unscheinbaren Lagerhäusern aufbewahrt, die im Inneren mit hochkomplexen Klima- und Sicherheitssystemen ausgestattet sind.

"Museen expandieren, sie brauchen Blockbuster-Ausstellungen, um die Besucherzahlen zu halten", erklärt Kele McComsey, Chef der Kunstspedition Surroundart, den Erfolg seiner Branche. "Der Zeitplan der Museen hat sich verändert, sie wechseln heute weitaus schneller die Ausstellungen." Und all das muss reibungslos ablaufen.

Um Retrospektiven großer Künstler zu koordinieren, die zudem gern ihr eigenes Produktionsteam einbringen, greifen viele Museen inzwischen auf Firmen wie Surroundart oder Transcon International zurück. Sie organisieren den Ablauf und holen die Arbeiten von den unterschiedlichen Sammlern und Museumsinstitutionen ab.

Für Surroundart, die ursprünglich aus Washington stammt, startete das New Yorker Kunstgeschäft vor fünf Jahren mit einer Halle am Navy Yard, der ehemaligen Schiffswerft am East River in Brooklyn. Inzwischen hat sich das Unternehmen auf drei Gebäude mit einem insgesamt rund 15 000 Quadratmeter umfassenden Kunstcampus ausgedehnt.

Zu den Kunden zählen private Sammler und Museen wie die Morgan Library oder das American Museum of Natural History in Manhattan.

Eines der kompliziertesten Kapitel sei der fachgerechte Bau der Holzkisten, in denen die zum Teil unförmig große Kunst manchmal lange Zeit gelagert wird, meint McComsey. Zum keimfreien Verpackungsmaterial kommt eine Innenbox, die speziell gegen Insektenbefall behandelt wird. Außerdem müssten Fragen der Wertsteigerung beachtet werden. "Man kann etwas im Lagerhaus haben, das vor drei Jahren 100 000 Dollar wert war, und heute ist es 17 Millionen Dollar wert", sagt Mc- Comseys Geschäftspartner Michael Murray. Auch deshalb werden ihre Kunstlager Tag und Nacht bewacht wie Fort Knox.

Bildunterschrift:

Zwischenlager für Museen und Sammler:

Hallen der New Yorker Kunstspediteure Surroundart auf dem Gelände des Brooklyn Navy Yard

Die Spezialkisten für Transport und Lagerung der Kunst baut Surroundart in der eigenen Werkstatt in Washington