Ausgabe: 10 / 2008
Seite: 123

Was ihn zum Glühen bringt

Von Sandra Danicke

Städel: Kustos Engler will mehr Gewicht für die Kunst seit 1945

Vor kurzem hat Martin Engl er die Stelle als Kustos für Kunst seit 1945 im Städel-Museum angetreten. Er soll das Frankfurter Haus zum Hotspot für Gegenwartsmalerei machen. Mit dem Kunsthistoriker, der zuvor im Kunstverein Hannover gearbeitet hat, sprach art-Korrespondentin . art: Haben Sie schon konkrete Projekte?

Engler: Vieles ist noch im Schwange.

Es war uns etwa ein großes Anliegen, mit dem MMK eine Peter- Roehr-Ausstellung auszurichten, die unsere und die MMK-Sammlungen sowie wichtige Frankfurter Privatsammlungen zusammenbringt. Über aktuelle Ankäufe wird demnächst mit dem "Städelkomitee 21. Jahrhundert" entschieden.

Knüpfen Sie dabei an Werke der Sammlung an, oder werden Sie unabhängig davon erwerben, was Sie für richtig halten?

Ich glaube, jeder Kurator hat zwei Seelen in seiner Brust. Einerseits hat er persönliche Vorlieben, Dinge, die ihn zum Glühen bringen.

Andererseits muss das, was einen zum Glühen bringt, letztlich auch immer vermittelbar sein, und es muss sich auch in einen bestimmten Kontext einfügen. Das heißt, ich habe hier die Sammlung des Städel, die ja sehr kompakt und hochwertig ist, und muss mich daran orientieren.

Die zeitgenössische Kunst im Städel hat bislang eher den Charakter eines Sammelsuriums.

Das ist nicht ganz richtig. Zum Beispiel gab es durch die Ankäufe von Klaus Gallwitz einen Schwerpunkt in der deutschen Malerei der sechziger bis achtziger Jahre - Stichwort: Anselm Kiefer. Ganz aktuelle Arbeiten gibt es erst, seit Max Hollein sich des Themas wieder stärker angenommen hat.

Wie machen Sie weiter?

Ich bin in der angenehmen Situation, die Zukunft der zeitgenössischen Sammlung nicht zuletzt aufgrund des geplanten Erweiterungsbaus, der ja der Kunst nach 1945 gewidmet sein wird, neu zu überlegen: Was wollen wir mit dem 20. und 21.

Jahrhundert anfangen? In Absprache mit Hollein werde ich einen Dreijahresplan entwickeln, Lücken füllen, neue Schwerpunkte setzen.

Wie stark wird man Ihre Vorlieben im Städel wiederfinden?

Ich denke, ein Museum sollte nie eine esoterische Spielwiese des Kurators werden. Man sollte schon überlegen, wie man die aktuelle Kunstlandschaft im Museum abbilden kann. Aber es ist auch wichtig, keine Dubletten zu schaffen.

Nicht dass die Sammlungen in Frankfurt, Köln, Hamburg, München gleich aussehen.

Dubletten-Angst scheint es in der eigenen Stadt zu geben. Das MMK befürchtet mit dem neuen Sammlungsschwerpunkt des Städel einen Konkurrenten.

Ich sehe diese aufgeregte Diskussion über Konkurrenz sehr entspannt. Der stellvertretende MMK-Direktor Andreas Bee und die künftige Direktorin Susanne Gaensheimer sehen das, denke ich, ähnlich. Es geht uns ja nicht darum, die Ellbogen auszufahren, sondern darum, dass man eine Dynamik in der Stadt erzeugt, die für alle einen Mehrwert bringt.

Wie sieht ihr Budget aus?

Das "Städelkomitee 21. Jahrhundert" engagiert sich stark für das Museum. Da kommt ein guter sechsstelliger Betrag zusammen.

Für jemanden wie mich, der von einem Kunstverein kommt, ist das wie im Paradies.

Das gesamte Interview in: www.art-magazin.de/engler

Bildunterschrift:

Martin Engler, neuer Kustos am Frankfurter Städel- Museum