Ausgabe: 10 / 2008
Seite: 76-87

Wo Tizian, Klimt und Warhol zu Hause sind

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MoMA, Guggenheim, Frick Collection, New Museum, International Center of Photography - in New York befinden sich nicht nur die besten Museen, sondern auch die bedeutendsten Galerien der Welt. Ein Überblick über die wichtigsten Adressen von Chelsea bis Brooklyn

MUSEEN 1 The Museum of Modern Art 11 West 53rd Street Mo, Mi, Do, Sa, So 10.30-17.30 Uhr, Fr bis 20 Uhr, Eintritt: 20 Dollar, Fr 16-20 Uhr frei www.moma.org Die Mäzeninnen Abby Aldrich Rockefeller, Lillie P. Bliss und Mary Quinn Sullivan gründeten 1929 das Museum für moderne Kunst. Bis heute besitzt das MoMA die weltweit größte zusammenhängende Sammlung an moderner Kunst des 20.

Jahrhunderts - darunter Meisterwerke wie Claude Monets "Seerosen" oder "Les Demoiselles d' Avignon" von Pablo Picasso. Ende 2004 eröffnete das für rund 860 Millionen Dollar von dem japanischen Architekten Yoshio Taniguchi umgebaute und erweiterte Haus neu an der 53rd Street, was seitdem für Besucherrekorde und lange Schlangen am Einlass sorgt. Jetzt wird schon wieder eine Erweiterung geplant.

2 The Metropolitan Museum of Art 1000 Fifth Avenue Di-Do 9.30-17.30 Uhr, Fr-Sa 9.30-21 Uhr, So 9.30-17.30 Uhr, Eintritt: 20 Dollar empfohlen www.metmuseum.org Mehr als zwei Millionen Exponate auf einer Gesamtfläche von über 180 000 Quadratmetern: Im Metropolitan Museum of Art, kurz Met genannt, kann man Tage verbringen. Das Met zeigt Kunst von der Steinzeit bis zu digitalen Arbeiten der Gegenwart. Die Sammlung ägyptischer Kunst und europäischer Maler gehört zu den besten der Welt. 2007 eröffneten die neuen griechischen und römischen Galerien, in denen mehr als 5300 zusätzliche Werke ausgestellt werden, die vorher eingelagert waren. Zusätzlich zur Dauerausstellung werden jedes Jahr an die 30 Wechselausstellungen geboten. Ab 24.

Oktober (bis 1. Februar 2009) läuft "The Philippe de Montebello Years". Die Ausstellung ist dem nach 31 Jahren ausscheidenden Direktor gewidmet und zeigt über 250 Meisterwerke, die während seiner Amtszeit erworben wurden. Das im Norden Manhattans gelegene Museum The Cloisters (www.metmuseum.org/ cloisters) mit mittlelalterlicher Kunst und Architektur gehört zum Metropolitan Museum of Art.

3 Solomon R. Guggenheim Museum 1071 Fifth Avenue Sa-Mi 10-17.45 Uhr, Fr 10-19.45 Uhr Eintritt: 18 Dollar www.guggenheim.org Für geschätzte 29 Millionen Dollar wird die berühmte Spirale restauriert, damit sie 2009 pünktlich zum 50. Geburtstag in unverhülltem Glanz gefeiert werden kann. Das Guggenheim Museum in New York, für dessen Entwurf Frank Lloyd Wright den Auftrag erhalten hat, wird gern als wichtigstes Stück der Sammlung bezeichnet. Das Museum hat eine der größten Sammlungen europäischer Kunst des 20. Jahrhunderts mit Meisterwerken von Paul Klee, Wassily Kandinsky oder Pablo Picasso. Ab 24. Oktober (bis 7.

Januar 2009) übernimmt eine Truppe von Künstlern, darunter Angela Bulloch, Maurizio Cattelan, Douglas Gordon, Carsten Höller und Pierre Huyghe, das Museum und feiert das Ausstellungskonzept in "theanyspacewhatever" als dynamischen Prozess. Jeden ersten Freitagabend im Monat legen DJs auf (21-1 Uhr, Eintritt 25 Dollar).

4 Whitney Museum of American Art 945 Madison Avenue Mi, Do 11-18 Uhr, Fr 13-21 Uhr, Sa, So 11-18 Uhr Eintritt: 15 Dollar www.whitney.org Nachdem das Metropolitan Museum of Art ihre Spende abgelehnt hatte, gründete die Bildhauerin und Sammlerin Gertrude Vanderbilt Whitney 1931 ihr eigenes Museum für amerikanische Kunst des 20. Jahrhunderts mit 700 Werken teilweise aus ihrem eigenen Besitz. Das Gebäude von Marcel Breuer mit der treppenförmigen Fassade beherbergt die Werke von berühmten Künstlern wie Andy Warhol, Jasper Johns und Willem de Kooning und widmet zeitgenössischen Künstlern wie Kara Walker und Rudolf Stingel Einzelausstellungen. Alle zwei Jahre steigt die immer wieder viel diskutierte Whitney- Biennale, die den Puls der amerikanischen Gegenwartskunst erfühlen soll.

Das Museum plant einen Downtown- Ableger am Highline-Park im ehemaligen Schlachthofviertel südlich von Chelsea.

5 Neue Galerie 1048 Fifth Avenue Sa-Mo, Do 11-18 Uhr, Fr 11-21 Uhr Eintritt: 15 Dollar www.neuegalerie.org Das Museum, das der deutschen und österreichischen Kunst des frühen 20.

Jahrhunderts und Künstlern wie Gustav Klimt, Egon Schiele, Oskar Kokoschka, Paul Klee oder Ernst Ludwig Kirchner gewidmet ist. In dem von Annabelle Selldorf renovierten Stadtpalais mit "Wiener Cafe" stellt der Unternehmer Ronald S.

Lauder seit 2001 seine eigene Sammlung und die seines gestorbenen Freundes Serge Sabarsky aus. Dazu zählt auch Gustav Klimts berühmte "goldene Adele", die Lauder 2006 für 135 Millionen Dollar gekauft hat.

6 Cooper-Hewitt National Design Museum 2 East 91st Street Mo-Do 10-17 Uhr, Fr bis 21 Uhr, Sa bis 18 Uhr, So 12-18 Uhr Eintritt: 15 Dollar www.cooperhewitt.org Die Sammlung umfasst mehr als eine Viertelmillion Designobjekte. Das 1897 von den Enkeltöchtern des Industriellen Peter Cooper gegründete Museum befindet sich in einem prächtigen Palast mit angeschlossenem Garten und widmet sich breit gefächerten Themen wie dem historischen Design von Kindertapeten oder innovativen Wohnprojekten in China.

7 American Folk Art Museum 45 West 53rd Street Di-So 10.30-17.30 Uhr, Fr bis 19.30 Uhr Eintritt: 9 Dollar, freitags ab 17.30 frei www.folkartmuseum.org Das 1963 eröffnete Museum in der Nachbarschaft des MoMA hat sich zum Ziel gesetzt, außergewöhnliche Leistungen von Amateuren zu präsentieren. So sind kunstvolle Quilts, Schmuck oder Wetterfahnen ebenso zu sehen wie Arbeiten von Art-Brut-Künstlern wie Martín Ramírez, die erst heute Anerkennung finden.

8 International Center of Photography 1133 Avenue of the Americas Di-Do und Sa, So 10-18 Uhr, Fr bis 20 Uhr Eintritt: 12 Dollar www.icp.org Gegründet wurde das ICP 1974 von dem inzwischen ebenfalls gestorbenen Cornell Capa, der die Arbeit von Fotojournalisten wie die seines Bruders Robert Capa und Kollegen wie Werner Bischof und Dan Weiner zeigen wollte. Seitdem ist das ICP für Ausstellungen zu kontroversen Themen wie dem Irakkrieg oder der Vermarktung von Che Guevara bekannt. Das Museum hat über 100 000 Fotografien in seiner Sammlung.

9 The Jewish Museum 1109 Fifth Avenue Sa-Mi 11-17.45 Uhr, Do bis 20 Uhr Eintritt: 12 Dollar, am Samstag frei www.jewishmuseum.org 1904 startete das Museum mit nur 26 gespendeten Arbeiten. Heute besitzt es eine herausragende Sammlung zur jüdischen Geschichte, zu der Schriften und Manuskripte, seltene kunsthandwerkliche Gegenstände, Gemälde, Fotografien und Antiquitäten gehören. Zudem finden dort regelmäßig zeitgenössische und kunsthistorische Sonderausstellungen statt.

10 Japan Society 333 East 47th Street Di-Fr 11-18 Uhr, Sa und So bis 17 Uhr Eintritt: 5 Dollar www.japansociety.org Längst geht das Ausstellungsprogramm über buddhistische Skulpturen, Kalligrafien oder Samuraischwerter hinaus.

Die Japan Society tat sich mit Schauen von zeitgenössischen Künstlern wie Hiroshi Sugimoto oder der von Takashi Murakami kuratierten Gruppenschau über Japans Subkultur hervor. Die Japan Society wurde bereits 1907 von einer Gruppe von Geschäftsleuten gegründet.

Unter der Führung von John D. Rockefeller III entstand 1971 das von dem japanischen Architekten Junzo Yoshimura entworfene Zentrum mit Galerie, Theater und Bücherei.

11 The Morgan Library & Museum 225 Madison Avenue Di-Do 10.30-17 Uhr, Fr bis 21 Uhr Sa 10-18 Uhr, So 11-18 Uhr Eintritt: 12 Dollar, Fr 19-21 Uhr frei www.themorgan.org Was als private Bücherei des Finanziers Pierpont Morgan (1837 bis 1913) begann, ist heute ein feines Museum mit einem Neubau auf der Madison Avenue, der von Renzo Piano entworfen wurde. Die Morgan Library hat eine beachtliche Sammlung an historischen Büchern, Zeichnungen und Drucken sowie Manuskripten von großen Musikern - von Mozart über Schoenberg bis zu Bob Dylan. Wechselnde Ausstellungen umfassen so verschiedene Themen wie den Maler Philip Guston oder frühe Zeichnungen der französichen Kinderbuchfigur "Barbar, der Elefant" (bis 4. Januar).

12 The Studio Museum in Harlem 144 West 125th Street Mi-Fr 12-18 Uhr Sa 10-18 Uhr, So 12-18 Uhr Eintritt: 7 Dollar, sonntags frei www.studiomuseum.org Das Museum in Harlem versteht sich seit seiner Gründung 1968 als Podium für schwarze Künstler und Kultur. Viele der ausgestellten Künstler nahmen am Atelier-Programm teil, bei dem es neben Arbeitsräumen finanzielle Unterstützung gibt.

13 The Frick Collection 1 East 70th Street Di-Sa 10-18 Uhr, So 11-17 Uhr Eintritt: 15 Dollar www.frick.org Die Sammlung des Industriellen Henry Clay Frick (1849 bis 1919) zählt zu einer der berühmtesten privaten Sammlungen der Welt. Untergebracht ist die Frick Collection in einem klassizistischen Stadtpalais am Central Park, in dem Frick seinen Lebensabend verbrachte. Damals stellte er seine Sammlung zusammen, die seitdem durch Neuerwerbungen ergänzt wird.

So sind in prunkvoller Atmosphäre zwischen Fricks Möbeln und Teppichen mehr als 1100 Kunstwerke von der Renaissance bis zum späten 19. Jahrhundert von Künstlern wie Hans Holbein d. J., Tizian, El Greco, Degas, Goya oder Rembrandt zu bewundern.

14 New Museum of Contemporary Art 235 Bowery Mi 12-18 Uhr, Do, Fr 12-22 Uhr, Sa, So 12-18 Uhr, Eintritt: 12 Dollar www.newmuseum.org Das japanische Architektenduo SANAA baute 2007 der zeitgenössischen Kunst ein neues Haus, 30 Jahre nachdem die Kuratorin Marcia Tucker das Museum gegründet hatte. Ihre Philosophie lebt nun an der Bowery auf der Lower East Side in sechs Boxen aus schimmerndem Aluminiumnetz weiter, die aussehen als wären sie vom Himmel gefallen: ein Ort an dem sich lebende Künstler aus aller Welt in einem unkommerziellen Rahmen präsentieren können. Demnächst werden die beiden US-Malerinnen Elizabeth Peyton (8. Oktober bis 11. Januar 2009) und Mary Heilmann (22. Oktober bis 26. Januar 2009) gezeigt.

15 Brooklyn Museum 200 Eastern Parkway in Brooklyn Mi-Fr 10-17 Uhr, Sa, So 11-18 Uhr, jeden ersten Samstag im Monat 11-23 Uhr. Eintritt: 8 Dollar empfohlen www.brooklynmuseum.org Die Kunstinstitution in Brooklyn nahe dem Prospect Park ist eines der größten und ältesten Museen der USA. Die Sammlung reicht von antiken Meisterwerken bis zur zeitgenössischen Kunst. Bekannt ist das Museum allerdings für große Publikumsausstellungen.

Vom 3. Oktober bis 11.

Januar 2009 geben Gilbert & George mit einer Retrospektive, die von der Tate Modern in Zusammenarbeit mit dem Brooklyn Museum organisiert wurde, ein Gastspiel.

16 P.S.1 Contemporary Art Center 22-25 Jackson Avenue in Long Island City Do-Mo 12-18 Uhr, Eintritt frei wählbar, 5 Dollar empfohlen, www.ps1.org Das P.S.1 ist die kleine, junge Schwester des MoMA, in dem es traditionell im Sinne der Gründungsdirektorin Alanna Heiss experimentierfreudig zugeht. Das Museum befindet sich in einem alten Schulgebäude in Long Island City in Queens, daher der Name Primary School One. Die Kunst breitet sich in Gängen, auf den Toiletten, in Treppenhäusern und in ehemaligen Klassenzimmern aus. Im Sommer tanzen die New Yorker jeden Samstag bei den "Warm-up-Parties" zu Live-Musik im coolen Betongarten.

17 Museum of Arts and Design 2 Columbus Circle Mi-So 11-18 Uhr, Do bis 21 Uhr Eintritt: 15 Dollar www.madmuseum.org Das American Craft Museum mit seiner riesigen Designsammlung mausert sich unter dem Namen MAD und mit schicker neuer Adresse am Central Park vom Aschenputtel zur Prinzessin. Eine der Eröffnungsschauen (vom 27. September bis 15. Februar 2009), "Second Lives", ist dem Recycling-Design gewidmet.

GALERIEN UND AUSSTELLUNGSRÄUME Upper East Side Die glorreichen Zeiten, da Galerien wie die des gestorbenen Sammlers Sidney Janis oder des Kunsthändlers André Emmerich zu den einflussreichsten Adressen für zeitgenössische Kunst gehörten, sind vorbei. Doch auch wenn viele inzwischen nach SoHo oder Chelsea abgewandert sind, findet sich entlang der 57th Street, nahe der Madison Avenue mit ihren Edelboutiquen und in Laufnähe zu den großen Museen immer noch eine Reihe angesehener Namen. Bereits in den dreißiger Jahren siedelten sich im Fuller Building auf der 57th Street Kunsthändler wie Pierre Matisse an.

Die Uptown-Galerien glänzen heute eher mit alter Kunst und Klassischer Moderne und vermitteln im Vergleich zum jungen Chelsea einen Hauch von Geschichte.

Knoedler & Company 19 East 70th Street Di-Sa 9.30-17.30 Uhr www.knoedlergallery.com Bei Knoedler kauften schon die Vanderbilts, Astors und die Rockefellers ihre Kunst. Die Traditionsgalerie wurde 1846 gegründet und zählt zu den ältesten New Yorks. Neben museumsreifen Ausstellungen von Klassikern wie Milton Avery, Richard Pousette-Dart oder Helen Frankenthaler (im November) widmet sich die Galerie aber auch zeitgenössischen Positionen, besonders im neu gegründeten "Project Space" im Erdgeschoss, der von Marella Consolini, ehemals am Whitney Museum tätig, geleitet wird.

Leo Castelli 18 East 77th Street Di-Sa 10-18 Uhr www.castelligallery.com Den Einfluss des 1999 gestorbenen Leo Castelli auf die Kunstwelt illustriert ein Foto von 1982 zum 25-jährigen Bestehen der Galerie: Es zeigt den Kunsthändler umringt von Andy Warhol, Robert Rauschenberg, Ed Ruscha, Ellsworth Kelly, Dan Flavin, Richard Serra und anderen Größen, die schon einmal bei ihm ausgestellt haben. Castelli zeigte als erster Warhols Suppendosen und bewies fünf Dekaden lang ein sicheres Gespür für zeitgenössische Kunst. 1957 eröffnete er seine Galerie in einem Townhouse auf der 77th Street. Nach seinem Tod zog die Galerie 2003 unter der Leitung der Witwe Barbara Bertozzi Castelli ein paar Häuser weiter in ihr derzeitiges Domizil um.

Edwynn Houk 745 Fifth Ave., Suite 407 Di-Sa 11-18 Uhr www.houkgallery.com Die Galerie Edwynn Houk widmet sich der Fotografie des 20. Jahrhunderts. Vertreten wird der Nachlass von Meistern wie Ilse Bing, Bill Brandt und Dorothea Lange.

Zu den aktuellen Fotografen zählen Annie Leibovitz und Elliott Erwitt.

Tilton 8 East 76th Street Mo-Do 10-18 Uhr www.jacktiltongallery.com Das herrschaftliche Townhouse mit den weißen Säulen am Eingang hat den schicken Flair der Upper East Side - zeitgenössischen Arbeiten von Künstlern wie Delphine Courtillot oder David Hammons, die auf den zwei Etagen gezeigt werden, wirken fast ein wenig wie Fremdkörper hier. Inhaber Jack Tilton, einer der Pioniere für Kunst aus China, wählte die Lage 2004 ganz gezielt aus, um sich vom Galerienboom in Chelsea abzuheben und "die Nachbarschaft ein wenig aufzumischen".

Howard Greenberg 41 East 57th Street, Suite 1406 im Fuller Building Di-Sa 10-18 Uhr www.howardgreenberg.com Howard Greenberg war einer der ersten, der sich vor mehr als 20 Jahren auf Fotojournalismus und Street Photography konzentrierte. Die Galerie hat große Namen wie Diane Arbus, Henri Cartier- Bresson, William Klein oder Alfred Stieglitz im Programm.

Michael Rosenfeld 24 West 57th Street Di-Sa 10-18 Uhr www.michaelrosenfeldart.com Michael Rosenfeld konzentriert sich mit seiner 1989 gegründeten Galerie auf unterschätzte amerikanische Künstler des 20. Jahrhunderts, etwa den Bildhauer Seymour Lipton oder den afroamerikanischen Maler John Biggers.

SoHo/Tribeca Das Epizentrum der zeitgenössischen Kunst lag ursprünglich in SoHo (South of Houston Street). Noch heute trauern Künstler und Galeristen der unkommerziellen Atmosphäre nach. Anfang der Neunziger befanden sich um den West Broadway mehr als 100 Galerien. SoHo hat eine bewegte Geschichte hinter sich: 1850 gab es dort die ersten Bordelle Manhattans. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts wurden in den Fabrikhäusern vor allem Textilien hergestellt. In den sechziger Jahren verließ das produzierende Gewerbe die Gegend, und Künstler übernahmen die riesigen Lofts. Galeristen wie die Pionierin Paula Cooper, Leo Castelli und dessen Exfrau Ileana Sonnabend folgten. Heute dominieren Luxusboutiquen und Ladenketten das Straßenbild.

Eine ähnliche Entwicklung vollzieht sich auch im südlicher gelegenen Bezirk TriBeCa (Triangle Below Canal Street), wo Künstler lange Zeit günstige Arbeits- und Lebensbedingungen fanden. Ihr Late-Night-Treff war das legendäre Restaurant Odeon (145 West Broadway), in dem Andy Warhol und Jean-Michel Basquiat zu den Stammgästen zählten. Inzwischen sind die Immobilienpreise auch dort immens gestiegen, und Künstler und Galerien wurden verdrängt. Ein paar wichtige Adressen gibt es aber immer noch:

Deitch Projects 76 Grand Street und 18 Wooster Street Di-Sa 12-18 Uhr www.deitch.com Die Galerie eröffnete 1996 mit einer Performance von Vanessa Beecroft, ein Jahr später lebte der russische Künstler Oleg Kulik für zwei Wochen als Hund in den Räumen. Jeffrey Deitch blieb seitdem dem Motto treu, nicht nur Arbeiten auszustellen, sondern Kunst in Szene zu setzen.

Der ehemalige Bankmanager mit dem legendären Gespür für Talent ist eine der schillerndsten Figuren im New Yorker Kunstbetrieb. Er vertritt exklusiv den Nachlass von Keith Haring und präsentiert Stars wie den New Yorker Kehinde Wiley, Ryan McGinness, Mariko Mori oder Tim Noble und Sue Webster.

Team 83 Grand Street Di-Sa 10-18 Uhr www.teamgal.com Galerist José Freire hat sich mit sicherem Händchen auf jüngere Künstler wie Cory Arcangel, Banks Violette, Ryan McGinley oder die Deutschen Gert & Uwe Tobias spezialisiert, die sich "am Rande der zeitgenössischen Kultur" bewegen. Freire stieg bereits 1987 mit einer Galerie im East Village in das Kunstgeschäft ein, später gehörte ihm José Freire Fine Art in der Prince Street in SoHo, bevor er nach Chelsea wechselte - und wegen der günstigeren Mieten jetzt wieder nach SoHo zurückkehrte.

The Drawing Center 35 Wooster Street Di-Fr 10-18 Uhr, Sa 11-18 Uhr www.drawingcenter.org Der kleine nichtkommerzielle Ausstellungsraum auf der Wooster Street ist seit 1977 auf Zeichnungen spezialisiert.

Sei es von großen Meistern wie Michelangelo, Pablo Picasso oder Marcel Duchamp oder von jungen Künstlern wie Kara Walker. Bis 6. November werden politische Zeichnungen von Protestmärschen (Rirkrit Tiravanija: Demonstration Drawings) gezeigt.

Art in General 79 Walker Street Di-Sa 12-18 Uhr www.artingeneral.org Ihren Namen übernahm die Galerie vom Vormieter - der allerdings hatte nichts mit Kunst zu tun: Bis 1981 wurden im Gebäude des "General Hardware" Werkzeuge und Rohre verkauft. Dann zogen die Künstler Martin Weinstein und Teresa Liszka ein. Den ebenerdigen Raum mit dem Schaufenster nutzen sie, um neue Künstler mit Videoinstallationen oder Performances vorzustellen. Im frisch renovierten sechsten Stock finden die Ausstellungen statt. In 26 Jahren entwickelte sich Art in General zu einem der führenden New Yorker Projekträume, der Künstlern bei der Produktion und Präsentation ihrer Werke unter die Arme greift. apexart 291 Church Street Di-Sa 11-18 Uhr www.apexart.org Innovativ und unberechenbar: Bei den Ausstellungen, die von führenden oder viel versprechenden jungen Kuratoren organisiert werden, überschlagen sich New Yorks Kritiker meist mit Lob. Die von Steven Rand gegründete gemeinnützige Institution präsentiert jedes Jahr sieben Gruppenausstellungen und veranstaltet Lesungen und Performances. Vito Acconci, Martha Rosler, John Baldessari, David Byrne und der bekannte amerikanische Kritiker Dave Hickey gaben sich bei "apexart" schon die Ehre. Vom 22. Oktober bis 6. Dezember läuft "Perverted by Theater" über die Hassliebe zwischen Theater und Kunst.

Greenwich Village Traditionell war dies früher die Nachbarschaft der Querdenker: Die Beat Generation zog während der fünfziger Jahre in die malerischen Townhouses, Bob Dylan wohnte im Village, später ging das Viertel mit seinen Nachtclubs und Kaffeehäusern als Hoch burg der Schwulenbewegung in die Geschichte ein. Inzwischen bevölkern viele Prominente aus dem Filmgeschäft das Stadtviertel. Aber es halten sich auch einige gute Galerien.

Gavin Brown's Enterprise 620 Greenwich Street Di-Sa, 10-18 Uhr www.gavinbrown.biz Gavin Brown hat den Ruf, die Stars von morgen aufzuspüren. Schon bevor er eine Galerie hatte, stellte er die Arbeiten der inzwischen hoch gehandelten Malerin Elizabeth Peyton im Chelsea Hotel aus.

Ein Jahr später eröffnete er Räume auf der Broome Street, um 2004 ins Village zu wechseln. Brown's Enterprise vertritt Künstler wie Franz Ackermann, Martin Creed, Peter Doig und Urs Fischer. Andere wie Piotr Uklanski oder Chris Ofili wurden von größeren Galerien abgeworben.

Maccarone 630 Greenwich Street Di-Sa 10-18 Uhr www.maccarone.net Der Kritiker Jerry Saltz nannte Michele Maccarone die "schlagkräftigste, unverschämteste, unvorhersehbarste Galeristin der amerikanischen Kunstwelt". Sie zeigt mit Vorliebe unkommerzielle, schwierige Arbeiten. 2007 eröffnete sie mit Künstlern wie Mike Bouchet, Carol Bove und dem Schweizer Christoph Büchel neue Räume in Greenwich Village. Ein bewusster Schachzug, die Galeristin beäugt die Konkurrenz in Chelsea voller Skepsis. "Die Chelsea-Fication der Kunstwelt hat einen Konsens von Mittelmäßigkeit und Frivolität kreiert", lautete das scharfe Urteil der Anfang 30-Jährigen in einem Interview mit der "New York Times".

André Schlechtriem Contemporary 600 Washington Street Di-Sa 10-18 Uhr www.andreschlechtriem.com André Schlechtriems größte Attraktion sind die Arbeiten von Ena Swansea. Die erfolgreiche Künstlerin hat er bei der ebenfalls deutschen, in New York ansässigen Galerie Gasser & Grunert abgeworben, wo er als junger Durchstarter sein Praktikum absolvierte. Der aus Köln stammende Nachwuchsgalerist wurde von der amerikanischen Stiftung Judith Rothschild als Einkäufer für junge Kunst engagierte.

Die von ihm zusammengestellte Zeichnungskollektion wurde dem MoMA gestiftet. Anfang 2006 eröffnete Schlechtriem seine eigene Galerie schräg gegenüber von David Zwirner. Inzwischen hat er Räume im West Village bezogen.

Brooklyn/Williamsburg Auch jenseits des East River, im Stadtteil Brooklyn, haben sich Galerien und Kunsträume angesiedelt. Besonders nach Williamsburg, dem ethnisch gemixten Viertel mit jüdischen und puertorikanischen Wurzeln rund um die Metropolitan und Bedford Avenues, und am Fuß der Manhattan Bridge in DUMBO (Down Under the Manhattan Bridge Overpass) zieht es junge Künstler und Galerien. Die Ausstellungen sind oft experimenteller, die Atmosphäre ist entspannt. Doch das heißt nicht, dass hier keine Karrieren geschmiedet werden. In Williamsburg etwa hat der kometenhafte Aufstieg des Erfolgsgaleristen Leo Koenig (Seite 55) begonnen.

Dumbo "Art Under the Bridge Festival" im Dumbo Arts Center 30 Washington Street, Brooklyn www.dumboartscenter.org Einmal im Jahr findet das große "Art Under The Bridge Festival" in DUMBO statt, an dem fast 1500 Künstler teilnehmen (26.-28. September). Mehr als 150 Künstler öffnen ihre Ateliers für einen Besuch. Die Dumbo Arts Center Organisation veranstaltet außerdem das ganze Jahr über Ausstellungen und Workshops.

Power House Books 37 Main Street, Brooklyn Mo-Fr 10-19 Uhr, Sa-So ab 11 Uhr www.powerhousebooks.com Der 1995 gegründete Buchverlag ist auf Fotografie, Kunst, Popkultur und Fotoreportagen spezialisiert und steckt hinter dem viel besprochenen Buch "New York September 11". Seit 2006 sitzt der Ver lag in DUMBO, wo er in der Powerhouse Arena Ausstellungen, Performances oder Festivals veranstaltet.

Pierogi 2000 177 North 9th Street Do-Mo 11-18 Uhr www.pierogi2000.com Der kalifornische Maler Joe Amrhein ist einer der Pioniere, die das Potenzial von Williamsburg entdeckten. 1994 mietete er einen schmalen Raum an der North 9th Street und nannte die Galerie "Pierogi 2000", in Anlehnung an die damals polnische Nachbarschaft. In kurzer Zeit entwickelte sich die Galerie zum Archiv der New Yorker Kunstszene: Künstler können ihre Arbeiten in die Galerie bringen, Amrhein geht die Portfolios durch und nimmt die ungewöhnlichsten Werke in sein Register auf. Sammler und Kuratoren haben im Archiv schon so manche Entdeckung gemacht. Es finden sich dort nach wie vor Arbeiten für 50 bis 2000 Dollar. Amrhein vertritt mittlerweile erfolgreiche Künstler wie Daniel Zeller, Darina Karpov, Ward Shelley oder Dawn Clements und eröffnete 2006 eine Zweigestelle in Leipzig.

Momenta Art 359 Bedford Avenue Do-Mo 12-18 Uhr www.momentaart.org Momenta Art siedelte 1995 von Manhattan nach Williamsburg um. Die karitative Institution unter Laura Parnes und Gründer Eric Heist fördert und zeigt Künstler, deren Arbeiten als sozialkritisch oder anstößig gelten und von kommerziellen Galerien abgelehnt wurden.

Glowlab 75 Roebling Street Besuch nach Terminabsprache www.glowlab.com Die Zusammenführung von Kunst, Technik und urbanem Leben hat sich Christina Ray mit ihrem Projekt Glowlab zum Ziel gemacht. Vor sechs Jahren zog es die Kuratorin nach Williamsburg. Das Loft ist gleichzeitig Produktions- und Ausstellungsraum.

Neben der Förderung neuer Talente, die mit ihrer Kunst aktiv das urbane Leben verändern und formen wollen, organisiert Glowlab Festivals und Events.

Lower East Side Der neueste Brennpunkt der Kunstszene, die sich vom großen Geschäft in Chelsea absetzen will. Die Vernissagen mit Dosenbier (in der Regel von 19 bis 21 Uhr) beginnen eine Stunde später als in den etablierten Galerien.

Mit dem Einzug des New Museum in der Bowery hat sich nun die erste Museumsinstitution in der Gegend niedergelas sen, und mehr und mehr Galerien entdecken die Lower East Side für sich.

Rivington Arms 4 East 2nd Street, 1st floor Di-Fr 11-18 Uhr, Sa, So 12-18 Uhr www.rivingtonarms.com Angefangen hat alles vor sieben Jahren mit einem Schaufenster an der Rivington Street, in dem zwei junge Studentinnen, Melissa Bent und Mirabelle Marden - Tochter des Malers Brice Marden, Kunst zeigten. Bald mussten sie feststellen, dass die winzige Ausstellungsfläche ihrer Galerie "Rivington Arms" nicht ausreichte, um Künstler wie Pinar Yolaçan, Hanna Liden oder Carter Mull zu präsentieren. 2005 zogen sie in ein Townhouse an der 2nd Street. Der Name ist geblieben - der Anspruch, jungen Künstlern eine Starthilfe zu sein, ebenfalls - zum Beispiel Dan Colen und Dash Snow (Seite 68), die mit dem Erfolg von Rivington Arms in die Galerie von Javier Peres wechselten.

Salon 94 Freemans 1 Freeman Alley Di 13-18 Uhr, Mi-Sa 11-18 Uhr www.salon94.com Ein Jahr ist Salon 94 Freemans nun alt, und der Einzug der Galerie veränderte nicht nur die enge Gasse an der Rivington Street, auch die große Schwester Salon 94 an der Upper East Side zeigte damit einen guten Riecher für die Veränderungen im unteren Teil der Stadt. Kunst hat bei der Schweizer Direktorin Fabienne Stephan viele Gesichter: Die inoffizielle Galerieeröffnung war beispielsweise eine Party mit dem Mode-Label Rodarte.

Luxe 53 Stanton Street Mi-So 11-18 Uhr www.luxegallery.net Zeichnungen, Installationen, Malerei, Fotografi e, Skulpturen und Video - es gibt kaum ein Medium, das bei Luxe noch nicht gezeigt wurde. Die Künstler stammen aus aller Welt, gerne auch versammelt in einer Ausstellung. Trotz des breiten Spektrums geht es etwas persönlicher zu als in Chelsea: Bei Luxe plauscht der Gründer Stephan Stoyanov gern mit den Besuchern über die Künstler, die er liebevoll als "meine Babies" bezeichnet.

Smith-Stewart 53 Stanton Street Mi-So 12-18 Uhr www.smith-stewart.com Als Amy Smith-Stewart 2007 ihre Galerie eröffnete, war sie in der Szene schon lange keine Unbekannte mehr. Als freie Kuratorin organisierte sie Ausstellungen im MoMA-Ableger P.S.1 von Künstlern wie Ernesto Caivano und Katharina Sieverding.

Eine Vielzahl der Künstler, mit denen Smith-Stewart arbeitet, kennt sie noch aus ihren Tagen beim P.S.1 wie Jen DeNike und Adrian Paci. Mehr als zehn Künstler will sie nicht vertreten, sondern klein und ausgewählt bleiben.

Ludlow 38 38 Ludlow Street Fr, Sa 12-20 Uhr www.ludlow38.org Das Goethe-Institut ist eher für Lesungen oder Sprachkurse bekannt als für innovative Kunstprojekte. Mit der Galerie "Ludlow 38", benannt nach der Adresse, soll sich das ändern. In der Nähe des New Museum soll das Projekt des Programmdirektors Stephan Wackwitz dem Haus eine neue Richtung geben. Organisiert wird "Ludlow 38" in strategischen Partnerschaften mit wechselnden Kuratoren - dieses Jahr durch den Kunstverein München - und Sponsoren. Der Ausstellungsraum mit seinem rohen Charme wurde von den britischen Künstlern Liam Gillick und Ethan Breckenridge entworfen.

"Ludlow 38" soll nicht nur Ausstellungsfl äche sein, sondern ein Treffpunkt, an dem junge Kunst entsteht.

Chelsea Weil sich das Viertel in einem dermaßen rasanten Tempo entwickelt, nannte es der New Yorker Kunsthändler Christian Haye einmal "SoHo auf Crack". 20 Jahre ist es her, dass die Institution Dia Center for the Arts nach Chelsea zog und damit die Entstehung des neuen Epizentrums für zeitgenössische Kunst anschob. Inzwischen haben sich in dem Viertel, das sich zwischen West 13th Street bis zur 29th Street und zwischen 10th Avenue und dem West Side Highway erstreckt, rund 300 Galerien angesiedelt.

Viele von ihnen wechselten aus SoHo über. Die großen Händler kauften ihre Gebäude und haben zum Teil gleich mehrere Zweigstellen. Der Rest mietet und hofft, dass er sich die steigenden Preise in dem boomenden Viertel in Zukunft noch leisten kann.

Natürlich warnen kritische Stimmen längst davor, dass Chelsea den glatten Charme eines Edelkaufhauses hat.

Dabei stellen die Galerien in umgebauten Garagen und Lagerhallen auf höchstem Niveau aus. Die Kernöffnungszeiten:

Dienstag bis Samstag von 10 bis 18 Uhr.

Mary Boone 541 West 24th Street www.maryboonegallery.com Sie hat den Ruf eines gnadenlos harten "Generals". Angefangen hat Mary Boone dennoch recht bescheiden vor 31 Jahren im Erdgeschoss am West Broadway in SoHo. Mit den beiden Künstlern Julian Schnabel und David Salle stieg sie während des Kunstbooms der achtziger Jahre zu einer der einflussreichsten Galeristinnen auf. 1999 geriet Boone in die Schlagzeilen, als sie über Nacht im Gefängnis landete, weil ihr Künstler Tom Sachs echte Patronenkugeln als Mitbringsel an Vernissagegäste verteilt hatte. Zum Ärger der Galeristin verließ Sachs sie wenig später, um zu Larry Gagosian zu wechseln. Neben ihrer Galerie Uptown (745 Fifth Avenue) betreibt Boone seit 2000 eine Galerie in Chelsea und vertritt etablierte Künstler wie Eric Fischl oder Barbara Kruger.

Zach Feuer 530 West 24th Street www.zachfeuer.com Er ist gerade einmal 30 Jahre alt und gilt als Big-Shot: Seine erste Ausstellung organisierte Zach Feuer 1999 als Kunststudent in Boston in seinem Apartment.

2000 gründete er eine Galerie in Chelsea, deren Geschäfte in der ersten Zeit ganz schlecht liefen. Das alles änderte sich, als Roberta Smith von der "New York Times" Feuers Entdeckung, die Malerin Dana Schutz, in einer Kritik feierte. Neun Mona te später zog Feuer in seine heutigen Galerieräume.

Er gründete NADA mit, die New Art Dealers Alliance für junge Galeristen, aus der eine erfolgreiche Messe hervorging, und betreibt mit Partnern Galerien in London und Los Angeles. Sein Star Dana Schutz ist neben 17 überwiegend jungen Künstlern wie Phoebe Washburn oder Jules de Balincourt nach wie vor bei Feuer.

Gagosian 522 West 21st Street und 555 West 24th Street www.gagosian.com Takashi Murakami, Damien Hirst, Richard Prince und John Currin: Wer eine Ausstellung bei Larry Gagosian bekommt, hat es ganz nach oben geschafft. Angefangen hat der mittlerweile 63-Jährige mit einem Shop für Poster in Los Angeles. 1977 gründete er seine erste Galerie. Acht Jahre später startete er in New York durch.

Damals nahm sich Gagosian den großen Meister Leo Castelli als Vorbild. Inzwischen betreibt er weltweit acht Galerien in Eigenregie, drei davon in New York. Die großen Sammler wie David Geffen oder Ronald S.

Lauder gehören zu seinen Kunden. Wegen seines aggressiven, schnellen Geschäftsstils bekam der Galerist in jungen Jahren den Namen "Go-Go" verpasst, sein Tempo hat er seitdem kein bisschen gedrosselt.

Yossi Milo 525 West 25th Street www.yossimilo.com Die auf Fotografien spezialisierte Galerie ist seit 2001 dabei. Mit Gespür für ungewöhnliche Arbeiten und noch unbekannte Talente überrascht Yossi Milo immer wieder.

So wundert es nicht, dass ihn das Branchenblatt "Photo District News" einen wichtigen Trendsetter nannte. Zu Milos Künstlern zählen die Deutsche Loretta Lux und der Becher-Schüler Josef Schulz sowie der Japaner Kohei Yoshiyuki, dessen voyeuristische Infrarot-Bilder aus den Parks in Tokio vom "New Yorker" als Sensation gefeiert wurden.

Friedrich Petzel 535 und 537 West 22nd Street www.petzel.com Als Student jobbte Friedrich Petzel bei Gisela Capitain in "Kippenbergers Büro" in Berlin. Er ging nach New York, arbeitete bei der Kunstberaterin Thea Westreich und in der Galerie Metro Pictures, wo er ermuntert wurde, sich selbständig zu machen.

Das war 1993, als mit Kunst kaum Geld zu verdienen war und in New York die Galerien eingingen. Heute beschäftigt Petzel in seinen zwei Chelsea-Galerien 19 Mitarbeiter.

Viele Künstler wie Nicola Tyson, Charline von Heyl oder den Kubaner Jorge Pardo vertritt er seit Gründerjahren. Chelsea sei wie ein kleiner Club, meint Petzel.

Bis auf Larry Gagosian, der gern anderen Galeristen die Künstler abjagt, würden alle friedlich nebeneinander herleben.

Tony Shafrazi 544 West 26th Street www.tonyshafrazigallery.com Der 65-jährige, aus dem Iran stammende Künstler und Händler ist ein Überzeugungstäter.

In den siebziger Jahren sprühte er aus Protest gegen den Vietnamkrieg den Slogan "Kill Lies All" auf Pablo Picassos "Guernica", das im MoMA hing. In den Kunsthandel stieg Shafrazi als Einkäufer für den Schah von Persien ein, er betrieb eine Galerie in Teheran.

1979 kehrte er nach New York zurück.

Shafrazi war mit Künstlern wie Andy Warhol und Robert Smithson befreundet, Keith Haring startete bei ihm seine Karriere als Galerieassistent. Shafrazi entdeckte Kenny Scharf und Jean-Michel-Basquiat und stellt auch heute noch in seinen neuen Räumen auf der 26th Street seine alten Freunde wie Dennis Hopper aus.

Pace Wildenstein 534 West 25th Street und 545 West 22nd Street www.pacewildenstein.com Angefangen hat die Galerie Pace bereits 1960 in Boston. Ein paar Jahre später zog der Gründer Arne Glimcher nach New York City, wo er sich 1993 mit der Traditionsgalerie Wildenstein & Co. zusammenschloss.

Mit Künstlern wie Chuck Close, John Chamberlain, Jim Dine, Elizabeth Murray, Kiki Smith und den chinesischen Stars Zhang Huan und Zhang Xiaogang zählt die Galerie, die im Laufe ihrer Geschichte 500 Ausstellungen organisierte, zu den internationalen Schwergewichten.

Als eines der ersten Häuser machte sie in diesem Jahr eine Zweigstelle in China auf.

Ebenfalls sehenswert in Chelsea:

Marianne Boesky 509 West 24th Street, www.marianneboeskygallery.com: vertritt u.a. Barnaby Furnas, Sue de Beer, John Waters.

Cheim & Read 547 West 25th Street, www.cheimread.com: u.a. Diane Arbus, Louise Bourgeois, Jenny Holzer.

Paula Cooper 534 West 21st Street, www.paulacoopergallery.com: u.a. Sherrie Levine, Rudolf Stingel, Sophie Calle.

Gladstone 515 West 24th Street, 530 West 21st Street, www.gladstonegallery. com: u.a. Anish Kapoor, Matthew Barney, Sarah Lucas.

Hasted Hunt 529 West 20th Street, www.hastedhunt.com: u.a. Lynne Cohen, Peter Mitchell, Martin Schoeller.

Anton Kern 532 West 20th Street, www.antonkerngallery.com: u.a. Sarah Jones, Saul Fletcher, Marcel Odenbach.

Leo Koenig 545 West 23rd Street, www.leokoenig.com: u.a. Norbert Bisky, Gelitin, Alexis Rockman. (Siehe Seite 55)

Matthew Marks 523 West 24th Street, www.matthewmarks.com: u.a. Andreas Gursky, Nan Goldin, Ellsworth Kelly, Brice Marden.

Metro Pictures 519 West 24th Street, www.metropicturesgallery.com: u.a. Mike Kelley, Cindy Sherman, Robert Longo.

Phillips de Pury & Company 450 West 15th Street, www.phillipsdepury.com.

Das Auktionshaus hat wechselnde Ausstellungen.

Printed Matter Kunstbuchhandlung, Bibliothek und Veranstalter der "NY Art Book Fair", www.printedmatter.org.

195 10th Avenue, Di, Mi 11-18 Uhr, Do-Sa 11-19 Uhr.

Roebling Hall 606 West 26th Street, www.roeblinghall.com: u.a. Eve Sussman & Rufus Corporation, Courtney Smith, Doug Young.

Andrea Rosen 525 West 24th Street, www.andrearosengallery.com: u.a. Felix Gonzalez-Torres, Rita Ackermann, Wolfgang Tillmans.

David Zwirner 519, 525 und 533 West 19th Street, www.davidzwirner.com: u.a.

Stan Douglas, Marcel Dzama, Isa Genzken, Daniel Richter, Thomas Ruff, Luc Tuymans. (Siehe Interview auf Seite 56)

Auswahl der Texte: Claudia Bodin

Grafik:

Karte

Bildunterschrift:

Tempel der Moderne: MoMA-Neubau mit Skulpturengarten in Midtown Manhattan

Dachterrasse des New Museum of Contemporary Art, das 2007 auf der Bowery in Downtown Manhattan eröffnet wurde

Wandel in SoHo:

Rund um den West Broadway gab es einst mehr als 100 Galerien, jetzt haben Luxusboutiquen die Künstler verdrängt

In SoHos Straßen (Mitte) florierte einst die Textilindustrie, bevor Galeristen wie Jeffrey Deitch (links) sich ansiedelten; heute zieht es die junge Szene nach Williamsburg (rechts)

Global Player wie Gagosian (Mitte) oder Pace Wildenstein, hier mit Alex-Katz-Ausstellung (links) prägen die Galerienszene in Chelsea; in Brooklyn findet jährlich das "Art Under the Bridge Festival" (rechts) stat