Ausgabe: 10 / 2008
Seite: 97

Kitschig-verspieltes Horrorszenario

Von Sandra Danicke

Ausstellung des japanischen Marketing-Künstlers im Museum für Moderne Kunst

FRANKFURT/MAIN: TAKASHI MURAKAMI

Mr. Pointy sitzt auf einem riesigen weißen Frosch, der es sich wiederum auf einer Lotusblüte bequem gemacht hat. Mr. Pointy ist sieben Meter groß, hat 18 Arme und einen gigantischen Schwellkopf, aus dem ein spitzes Horn ragt. "Tongarikun" (Mr. Pointy) ist ein typisches Skulpturenensemble von Takashi Murakami (art 7/2004) und sitzt in der zentralen Halle des Museums für Moderne Kunst.

"Seine kurvenreichen Designs und seine kräftigen Farben lassen an eine Fusion von Surrealismus, Art Nouveau und japanischen Kimonos denken", schrieb die "New York Times" als das Werk kürzlich im Brooklyn Museum in der bisher umfangreichsten Murakami-Schau gezeigt wurde, die jetzt - in veränderter Form - in Frankfurt am Main zu sehen ist.

Doch damit ist der Facettenreichtum von Murakamis kitschig-verspielten Horrorszenarien keineswegs erschöpft.

Schließlich ist der Künstler Japaner und lässt als solcher auch spirituelle Symbole und die dort übliche Manga- und Anime- Bildsprache in seine Bilder, Skulpturen, Videos und Objekte einfließen. Niedlichkeit, Grusel und abstrus überzeichnete Erotik gehen bei dem selbst ernannten Marketingkünstler, der 1962 in Tokio geboren wurde, Hand in Hand.

Und während die einen noch grübeln, ob seine perfekt vermarkteten T-Shirts, Schlüsselanhänger und Spielzeuge Kunst sind, kürte ihn das "Time Magazine" unlängst zu einem der 100 einflussreichsten Menschen der Welt. Wobei man sich durch aus darüber wundern könnte, dass der Japaner in der Kategorie "Künstler und Entertainer" gelandet ist und nicht als "Geschäftsmann" firmiert.

Spätestens seit seiner Kooperation mit Taschenhersteller Louis Vuitton 2000 kennt man seine schrill-bunten Motive auch in der Schickeria, und mit dem Design für die CD-Hüllen des Rappers Kanye West 2007 hat er sich auch unter Musikfreunden einen Namen gemacht. In Frankfurt wurde nun für den konsumorientiertesten Popkulturkünstler seit Andy Warhol das gesamte Museum frei geräumt. Mehr als 130 Werke sind zu sehen, dar unter die neuesten Designs für Vuitton und ein Museumsshop mit Produkten seiner Firma "Kaikai Kiki".

Termin: 27. September bis 4. Januar 2009.

Katalog: Rizzoli Verlag, in Englisch mit deutscher Übersetzung, zirka 50 Euro. Internet: www.mmk-frankfurt.de

Bildunterschrift:

Niedlich, gruselig, abstrus: "The World of Sphere" (2003, 350 x 350 cm) von Takashi Murakami