Ausgabe: 10 / 2008
Seite: 96-97
Paradies mit Schweinestall
Von Ute Diehl
Im Palazzo Barbaran da Porto wird der Renaissancearchitekt gefeiert
VICENZA: PALLADIO
Wo auch immer in der Welt Säulen vor einem nicht antiken Gebäude stehen, hat Andrea Palladio seine Hände im Spiel. Der vor 500 Jahren geborene Meister der Villenkultur hat die Architektur beeinflusst wie kein Zweiter. Seine Wahlheimat Vicenza feiert ihn jetzt mit einer großen Ausstellung im Stadtpalast Barbaran da Porto, einem mächtigen Bau, den Palladio selbst entworfen hat. Leben, Werk und Wirkung des Renaissancearchitekten werden anhand von 80 Originalzeichnungen, 30 Architekturmodellen und interaktiver Animation verständlich gemacht.
Der Besucher gerät in eine Welt, die dem Paradies auf Erden ziemlich nahekommt.
In Palladios Villen, die an griechische Tempel erinnern, verwirklicht sich der Traum vom kultivierten Landleben.
Hier fanden aber auch ganz profane Dinge statt: In den niedrigen Anbauten neben der antiken Tempelfront etwa waren die Schweineställe untergebracht. Palladios Entwürfe zeigen, dass er einen sehr praktischen Sinn für die Anlage landwirtschaftlicher Produktionsstätten hatte. So sorgte er dafür, dass der "Padrone" trockenen Fußes sämtliche Stallungen erreichen konnte. An einer Reihe von Beispielen wird der Siegeszug des palladianischen Stils vorgeführt - von den Häusern englischer Landlords über die Villa des amerikanischen Staatsmanns Thomas Jefferson bis zum Sommersitz des Zaren Alexander.
Neben den Landvillen entwarf Palladio auch Stadtpaläste wie den Palazzo Thiene, den Palazzo Chiericati oder den Palazzo Valmarana, die sich der Besucher in Vicenza unbedingt erwandern sollte, genauso wie das Teatro Olimpico, Palladios letztes Werk - das erste frei stehende autonome Theatergebäude, das seit der Antike in Europa errichtet wurde.
Die Ausstellung dokumentiert Palladios gründliche Kenntnis der antiken Baumeister. Sie verrät auch, wie er es schaffte, preisgünstige, aber kostbar wirkende Säulen aus Backstein mit einem Verputz aus Marmorstaub und Kalk herzustellen.
Als er 1580 starb, hatte er Vicenza beinahe in ein Abbild des antiken Rom verwandelt. Am Ende der Ausstellung wird der Besucher durch ein "Capriccio" von Canaletto (1697 bis 1768) verwirrt, das eine Stadtansicht von Venedig zeigt - mit frei erfundenen Brücken und Bauten im palladianischen Stil.
Termin: 20. September bis 6. Januar 2009.
Katalog: Verlag Marsilio, 45 Euro im Buchhandel.
Internet: www.andreapalladio500.it
Bildunterschrift:
Erinnert an einen griechischen Tempel: die Villa
Rotonda, 1566/70 in Vicenza erbaut
