Ausgabe: 10 / 2008
Seite: 126-127

Roter Teppich am Fahnenmast

Von Wiebke Gronemeyer, Hans Pietsch

Frieze: Londons Kunstmesse lockt mit Sonderprojekten

HANS PIETSCH\WIEBKE GRONEMEYER

Als "coolste Kunstmesse der Welt" bezeichnete der britische "Guardian" die Frieze Art Fair im vergangenen Jahr. In der Tat: Außer Art Basel und Art Basel Miami Beach kann keine Messe ihr das Wasser reichen. Vom 16. bis 19. Oktober nun findet die Frieze, ins Leben gerufen von den Herausgebern der gleichnamigen Kunstzeitschrift Amanda Sharp und Matthew Slotover, zum sechsten Male in London statt. Die Elite der internationalen Kunstwelt wird sich dann im weißen Zelt im Regent's Park versammeln.

Das Auswahlkomitee hat etwas mehr als 150 Galerien eingeladen, darunter Branchenstars wie White Cube und David Zwirner.

13 Galerien nehmen zum ersten Mal teil, unter ihnen die Berliner Galerie Isabella Bortolozzi und Sies + Höke aus Düsseldorf. Über die normalen Kunstkojen hinaus hat die Messe auch diesmal wieder einiges zu bieten: Frieze Projects hat bei elf internationalen Künstlern wie Pavel Büchler und Andreas Slominski ortsspezifische Installationen in Auftrag gegeben, und Frieze Film betritt mit einem interaktiven, aus Beiträgen für YouTube zusammengebauten "Road Movie" Neuland.

Kuratiert wird das kollektive Filmprojekt von dem Kunstkritiker Neville Wakefield.

Der "Cartier-Award", der alljährlich im Rahmen der Messe an einen jungen zeitgenössischen Künstler verliehen wird, geht in diesem Jahr an den kubanischen Konzeptkünstler Wilfredo Prieto.

Für die Messe errichtet Prieto eine Installation, die das Publikum aktiv miteinbezieht: Durch die Hauptwege der Zelthalle wird ein purpurroter Teppich verlaufen, der sich am Ausgang in eine Art Standarte verwandelt und an einem hohen Fahnenmast das Messegelände überragt.

Zum fünften Mal in Folge ist die Deutsche Bank Hauptsponsor der Kunstmesse, die im vergangenen Jahr rund 68 000 Besucher anlockte. Zu viele, meinen die Organisatoren, und wollen die Anzahl der verkauften Eintrittskarten beschränken, um dem einzelnen Besucher "ein besseres Erlebnis zu ermöglichen".

Internet: www.friezeartfair.com

Bildunterschrift:

Senkrechtstarter: David Zwirner zeigt Adel Abdessemeds Skulptur "Telle mère tel fils" (2008, 4 x 5 x 27 m) auf der Frieze