Ausgabe: 10 / 2008
Seite: 10-19
Studio - Turmtropfkörperanlage
Von
GAGA PRESSETEXT DES MONATS Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, Berlin zum Projekt namens "/unvermittelt - Kampagne und öffentliche Intervention für einen Arbeitsbegriff jenseits von Überarbeitung und Mangel: Praxen, Techniken, Spielräume" - "Rund 50 Aktivist_innen, Initiativen, Künstler_ innen, Theoretiker_innen und Multiplikator_ innen aus der ganzen Welt arbeiten im Rahmen von /unvermit telt an der Herstellung und Veröffentlichung eines gemeinsamen, solida ri schen ‚Denk-, Spiel- und Handlungsraumes'. So entwickeln sie ein zeitgemäßes Konzept von Arbeiten und Tätigsein und stellen es im Zuge der Kampagne /unvermittelt in öffentlichen Interventionen und Monumenten im Berliner Stadtraum, Radiound Fernsehbeiträgen, in Diskussionen und Publikationen zur Debatte."
Vor Zaha Hadid ist nichts sicher. Die britische Designerin interpretiert alles von - Wolkenkratzern über Skilifte bis zu Wasserhähnen in der für sie typischen futuristisch-zellulären Formensprache.
Jetzt hat sie sich unsere Füße vorgenommen. Das brasilianische Label "Melissa" bringt die ersten Zaha-Hadid-Schuhe auf den Markt. Dank Online-Shopping wird man die Plastikteile bestimmt auch bald auf der einen oder anderen Vernissage in Deutschland sehen. Zu bestellen für umgerechnet 200 Euro bei www.melissaaustralia.com.au, www.melissaplasticdreams.com
DIE ART-HOME-STORY ( 1 5 )
Zu Gast bei Jonathan Meese Krimskrams, Nippes, Utensilien - im Laufe der Zeit sammelt sich so einiges an. Wir besuchen Künstler in ihren Ateliers und lassen uns ihre Lieblingssachen und Herzensdinge zeigen.
Hörspielkassette Den "Pakt mit dem Teufel" habe ich schon über 200 Mal gehört. Da kommt Sigmund von Moosham vor, und da wird gesagt, dass Kunst Menschenjagd ist - so sehe ich das ja auch. In dieser Kassette steckt ganz viel von dem, was ich mache - auch Vokabeln, wie "Jenseitskutsche".
Clockwork Orange Mein Standard-Nachschlagewerk, wenn ich ein spezielles Wort oder eine Begebenheit suche - für einen Titel etwa.
Den Film zu gucken wäre noch besser, aber das lenkt zu sehr vom Arbeiten ab.
Außerdem habe ich ihn schon etwa 230 Mal gesehen. Der ist echt das Beste des Besten des Besten! Die wichtigsten Wörter sind: so, so, so, well, well, well und right, right, right.
Brille Das ist für mich die Revolutionsbrille. Die habe ich seit 1989. Die ist schon oft kaputtgegangen, wurde jedoch immer wieder restauriert und nachgebaut.
Jetzt ist sie schon wieder kaputt. Ich benutze sie ständig auf Performances. Das ist mein ultimativer Glücksbringer. Wenn ich die trage, fühle ich mich ultimativ revolutionär. Wenn ich traurig bin, gucke ich sie an. Wenn ich die anziehe, bin ich Saint-Just. Revolutionsbrille bedeutet auch: 200 Jahre Revolution, 1789 bis 1989.
ATO Cordhose Weite 33, Länge 34 - manchmal nehme ich auch 33/36. Von den Hosen kaufe ich immer vier Stück - und das alle zwei Monate in einem Laden in der Hamburger Marktstraße. Ich trage nur schwarze Cordhosen, ganz selten auch braune. Darin fühle ich mich sicher. Die gehen ja unten nach außen, dadurch habe ich mehr Berührung mit der Erde. Je baumförmiger, umso besser. Es darf auch kein Zentimeter zwischen Hosensaum und Erdboden sein. Das ist wichtig.
Fantômas-Maske Meine Lieblingsmaske in Performances oder Aktionen. Habe ich immer dabei, die guckt mich an, die kontrolliert mich. Wenn ich verunsichert bin, trage ich sie. Künstler haben immer Masken auf.
Das ist wohl die letzte Maske bei mir. Die wird immer kommen. Sie ist so schön grün, so schön fischig - die ultimative Maske. Wahnsinnige Autorität. Totale Liebe. Masken kaufe ich immer in Berlin im Mas ken laden auf der Oranienburger Straße, dort bekomme ich mittlerweile sogar Rabatt.
9 und 8,5Jahre Haft müssen die russischen Eheleute Igor und Tatjana Preobraschenski antreten. Ein Moskauer Gericht hat sie dazu verurteilt, weil sie einem kunstunkundigen, aber vermögendem Autohändler 35 russische Landschaften angedreht hatten, die eigentlich von unbedeutenden dänischen Künstlern stammen (siehe art 11/2006). Ihre Masche: Sie kauften für 5000 bis 30 000 Dollar beim dänischen Auktionshaus Bruun Rasmussen ein, retuschierten die Bilder und setzten die Signaturen der russischen Meister Kisseljow und Orlowski darunter. Neuer Preis: 150 000 bis 200 000 Dollar pro Stück.
Die japanische Künstlerin Fumie Sasabuchi setzt dort an, wo alle gängigen Schönheitsvorstellungen scheinbar erfüllt sind und Werbeästhetik ihre Perfektion erreicht hat: bei hochbezahlten Models aus Modemagazinen und unschuldigen Engelsfiguren.
Den Models malt sie Skelette auf die makellose Haut, die Engelskörper tätowiert sie mit Yakuza- Motiven, den Drachen- und Dämonenmustern der japanischen Mafia. Infos: www.galeriezink.de
KLEINE ENZYKLOPÄDIE DER KUNSTKLISCHEES (17 )
Brüche, die: m., Pl., in Außerachtlassung der Wortbed. im math. und med. Kontext eine im Kunstkontext übliche, abstrakte Universalbeschreibung für diffuse Vorgänge wie z. B. das Brechen mit gängigen (Seh-)Gewohnheiten oder den Übergang von einer Stilepoche in die nächste. Dabei führt das erfolgr. Erkennen von B. beim Betrachter i. A. zu einer höheren intellekt. Bewusstseinsstufe. Bis es allerd. so weit ist, sind Verursacher von B. oft Anfeindungen und Herabwürdigungen ausgesetzt.
KITSCHIGE AUSSTELLUNGSTITEL 2008 - EIN GEDICHT Zerbrechliche Schönheit1 Open Sky2 Shooting Stars3 Moving through Time and Space4 Wo bist Du gewesen und wo ist der Morgen hingegangen?5 Flammende Herzen6 Träume aus Glas7 A Beautiful Day8 Nur für Dich und mich9 Kurze Momente innerer Ruhe10 Keine Zeit für Eile11 Tales of Time and Space12 Stille Wasser13 Aus der Erde14 Jenseits des Sees15 Ohrenweide - der flüsternde Garten16 Bilder zur Vergänglichkeit17 Floating Colours18 Frozen in Time19 Daydreams & Dark Sides20 Das im Entwischen Erwischte21 Remains of Today and a Glimpse of Tomorrow22 Schichten der Erinnerung23 Das eigene Ich24 Human Touch25 Gescheiterte Hoffnung. Romantik heute?26 Dreams of a Better Life27 For Your Loneliness28 Show Me Your World29 Zwei rote Fingerhüte und eine weiße Seerose30 Der scharfe Rand der Erde31 The Space Between32 My Life without Gravity33 Das Bild hat viele Gesichter34 1: Museum Kunstpalast, Düsseldorf 2: Schloss Kalsdorf, Ilz 3: Haunch of Venison, London 4: MIT List Visual Arts Center, Cambridge/Massachusetts 5: Galerie Kaysser, München 6: Galerie Lausberg, Düsseldorf 7: Museum Bellerive, Zürich 8: Galleria Contemporaneo, Venedig 9: Museum Küppersmühle, Duisburg 10: Gitte-Weise-Galerie, Berlin 11: Cuxhavener Kunstverein 12: Folkestone Triennial 13: KunstRaum Hüll, Drochtersen-Hüll 14: Altana- Kulturstiftung, Bad Homburg 15: Galerie Baer, Dresden 16: Internationale Bauausstellung Stadtumbau Sachsen- Anhalt, Eisleben 17: Galerie im Turm, Köln 18: Westfälisches Industriemuseum, Zeche Zollern II/IV, Dortmund 19: Estorick Collection of Modern Italian Art, London 20: Künstlerhaus Bethanien, Berlin 21: Kunsthalle Bremen 22: Galerie Michael Wiesehöfer, Köln 23: Gemeinschaftshaus Felleshus der Nordischen Botschaften, Berlin 24: Museum Lothar Fischer, Neumarkt in der Oberpfalz 25: Goldhalle des Hessischen Rundfunks, Frankfurt/Main 26: Herbert-Gerisch-Stiftung, Neumünster 27: Tapetenwerk, Leipzig 28: Galerie Gebr. Lehmann, Dresden 29: Gitte- Weise-Galerie, Berlin 30: Galerie Renate Kammer, Hamburg 31: Galerie Elisabeth & Klaus Thoman, Innsbruck 32: Galerie Burkhard Eikelmann, Düsseldorf 33: Künstlerhaus Bethanien, Berlin 34: Villa Goecke, Krefeld
Wie schwerelos scheinen die Leute in der transparenten Kuppel zu schweben.
Der in Frankfurt am Main lebende argentinische Künstler Tomás Saraceno hat riesige Blasen aus Kunststoff gebaut, die man über eine Außentreppe auf mehreren Ebenen begehen kann. "Observatory, Air-Port-City, 2008" ist eine Zukunftsvision, die ein völlig neues Raumgefühl vermitteln soll. Die aktuelle Station der Installation ist die Kopenhagener Quadriennale für zeitgenössische Kunst "UTurn", die noch bis zum 9.
November läuft. Infos: www.uturn-copenhagen.dk
Bildunterschrift:
Trutzig ragen in Lauchhammer sechs Backsteinburgen in den Himmel. Das Castel del Monte der Niederlausitz ist die Turmtropfkörperanlage einer ehemaligen Kokerei und diente der biologischen Reinigung vom Abwässern.
Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung "Fürst-Pückler-Land" gelang es, das Industriedenkmal aus den fünfziger Jahren zu erhalten. Seit kurzem ist einer der mächtigen Türme über zwei Glaskanzeln öffentlich zugänglich. Und: Die Türme stinken nicht mehr! Infos: www.iba-see.de
Wie Riesenluftschlangen scheinen Beat Zoderers knallbunte Alumini umstreifen durch das Zürcher Haus Konstruktiv zu fliegen. Die über vier Me ter hohe Installation "Flicken-Pavillon Nr. 1/08" (2008) des Schweizer All roundkünstlers fungiert als Eingang zu Zoderers umfangreicher Retrospektive "New Tools for Old Attitudes", die noch bis zum 26. Oktober zu sehen ist.
Diese Augen haben viel gesehen. Sie gehören Frauen, die ihre Männer in den Bandenkriegen von Rio de Janeiro verloren haben.
In seinem Projekt Frauen sind Helden klebt der französische Fotokünstler "JR" riesige Porträts betroffener Frauen auf die Mauern von Morro da Providência - Rios gewalttätigster Favela.
Notorisch: Zaha Hadid designt jetzt auch Schuhe
Maler, Bildhauer und Performancekünstler Jonathan Meese, 38, in seinem Berliner Atelier. Galerie: www.cfa-berlin.com
Model mit Skelett und Einkaufswagen (links) ohne Titel (2008) und tätowierter Engel (oben): ohne Titel (2004)
"Springbrunnen" (1917) von Marcel Duchamp
Riss in der Tate Modern: "Shibboleth" (2007) von Doris Salcedo
Im Sommer gastierte Saracenos Kuppel vor der Hayward Gallery in London
Riesenluftschlangen Frauen sind Helden Gaga - Pressetext des Monats Zaha-Hadid-Schuhe Die Art-Home-Story (15) - Zu Gast bei Jonathan Meese 9 und 8,5 Jahre Haft... makellose Haut Kleine Enzyklopädie der Kunstklischees (17) - Brüche, die Kitschige Ausstellungstitel 2008 - ein Gedicht riesige Blasen
