Ausgabe: 01 / 2008
Seite: 114

Rembrandt und Familie Six

Von Kerstin Schweighfer

Leihgabe: Berühmtes Porträt wird erstmals in Den Haag gezeigt

Bisher hatte es Amsterdam noch nie verlassen, obwohl es zu den berühmtesten Gemälden von Rembrandt van Rijn gehört: das Porträt des Jan Six aus dem Jahr 1654. Umso stolzer ist man im Haager Mauritshuis, wo das Gemälde in der Ausstellung "Holländische Porträts" nun bis zum 13. Januar zu sehen ist. "Vor 50 Jahren haben wir es zum letzten Mal ausgeliehen, allerdings nur für eine Woche in das Amsterdamer Reichsmuseum", erklärt Junker Jan Six XI. Dass die Leihgabe nach Den Haag geklappt hat, ist vor allem ihm zu verdanken.

Der 29-jährige Kunsthistoriker gehört zur jüngsten Generation des alten Amsterdamer Adelsgeschlechts, in dem seit über 350 Jahren alle erstgeborenen Söhne Jan heißen. Im Gegensatz zu seinem Vater, der die Medien meidet und die Kunstsammlung der Familie am liebsten unter Verschluss hält, gibt sich Jan Junior deutlich offener: "Jede Generation fährt ihren eigenen Kurs." Jan Six XI. ist mit Meisterwerken von Rembrandt, Vermeer, Frans Hals und Jacob van Ruisdael aufgewachsen. Denn neben rund 10 000 Antiquitäten besitzt die Familie auch 270 Gemälde. Sie sind in einer Stiftung untergebracht, die traditionell vom erstgeborenen Sohn geleitet wird.

"Frauen kommen in den Statuten nicht vor." Die Bilder befinden sich in der Privatvilla der Six' an der Amstel: "Rembrandts Six- Porträt hängt normalerweise in einem ruhigen Seitenzimmer, in dem ich immer meine Hausaufgaben gemacht habe." Viele Six-Vorfahren haben öffentliche Ämter bekleidet: Die ersten drei waren Bürgermeister von Amsterdam, und der siebte wurde als Professor für Kunstgeschichte und Rektor der Universität von Amsterdam bekannt.

Fachlich steht ihm sein Ururenkel Jan Six XI. am nächsten: Der junge Kunsthistoriker wurde letzten Herbst bei Sotheby's in Amsterdam zum Leiter der Abteilung Alte Meister befördert.

Wenn er irgendwann einmal von seinem Vater die Leitung der Stiftung übernimmt, will Jan Six XI. die Sammlung der kunsthistorischen Forschung zugänglich machen: "Sie wurde noch nie wissenschaftlich untersucht!" Einen Vorgeschmack auf die vielen Erkenntnisse, die wissenschaftliche Begutachtungen mit sich bringen könnten, bekam die Familie vor rund zwei Jahren, als bei Sotheby's ein Rembrandt-Werk versteigert wurde: das Porträt einer alten Frau mit weißer Kopfbedeckung.

Die Familie Six besitzt ein ähnliches Werk, das vom Rembrandt Research Project allerdings abgeschrieben worden war: "Ich beschloss, beide Werke nebeneinander zu hängen - und siehe da:

Im direkten Vergleich war unser Bild eindeutig das bessere!", erinnert sich Jan Six XI. Das fand auch Rem brandt-Kenner Nummer eins, Ernst van de Wetering:

Nachdem er das Werk eingehend inspiziert hatte, schrieb er es dem Meister wieder zu.

Termin: "Holländische Porträts", Mauritshuis, Den Haag, bis 13. Januar 2008

Drei Generationen Six: Sohn Jan XI. (links), Vater Jan X. und (im Rembrandt-Bild von 1654) Urahn Jan Six

KERSTIN SCHWEIGHÖFER