Ausgabe: 01 / 2008
Seite: 115

Ungeliebte schiefe Türme

Von Ute Diehl

Architektur: Wolkenkratzer für die Mailänder Messe geplant

Am Hochhaus scheiden sich die Geister: Während immer mehr italienische Kommunalpolitiker das ungehemmte Höhenstreben der Investoren unterstützen und sich einen Glasturm als Prestigeobjekt gönnen, ziehen die Hochhausprojekte in der Regel den Zorn der Bürger auf sich.

Doch wer gegen Hochhäuser opponiert und Unterschriften sammelt, hat meist wenig Aussicht auf Erfolg. So sind am Mailänder Messegelände trotz vieler Proteste gleich drei nahe beieinande stehende Türme im Bau. Der höchste, von Arata Isozaki entworfen, misst 218 Meter. Die beiden anderen Konstruktionen stammen von Daniel Libeskind (170 Meter) und Zaha Hadid (185 Meter).

Spöttisch nennen die Mailänder bereits jetzt den Libeskind-Bau "der Krumme".

Eine hitzige Hochhausdebatte wird auch im ligurischen Savona geführt, wo der italienische Architekt Massimiliano Fuksas einen 120 Meter hohen Glasturm mit ei nem Luxushotel sowie 40 Appartements in das Becken des Yachthafens setzen will. Der Gemeinderat steht zu dem gigantischen Bau, während die Bewohner der Hafenstadt sogar auf eigens bedruckten T-Shirts ihrem Unmut über den auffälligen Turm mit Knick Ausdruck geben.

Im kleinen Rivieraort Albenga schafften es die Hochhausgegner immerhin, die Entscheidung für den Bau von vier 80 Meter hohen Türmen des spani- schen Architekten Guillermo Vazquez Consuegra noch einmal zu vertagen. Und auch Renzo Piano muss seinen Entwurf für ein 218 Meter hohes Bankgebäude gegen aufgebrachte Turiner verteidigen.

Mit Skizzen der künftigen Skyline versuchte er bislang vergeblich seine Gegner, unter ihnen der immer noch einflussreiche ehemalige Bürgermeister Diego Novelli, umzustimmen. Immerhin würde sein Hochhaus das Wahrzeichen der Stadt, die 1888 fertiggestellte, ursprünglich als Synagoge geplante, heute als Museumsgebäude genutzte "Mole Antonelliana", um mehr als 50 Meter überragen.

Turmentwürfe von Isozaki (links), Libeskind (Mitte) und Hadid