Ausgabe: 01 / 2008
Seite: 122
NACHGEFRAGT
Von
Dietrich Wildung, 66, Direktor des Berliner Ägyptischen Museums, sorgte mit seiner Kritik an der Mannheimer Schau "Mumien, der Traum vom ewigen Leben", in der 70 konservierte Leichname gezeigt wurden, für Aufruhr. Sein Schlagwort "Mumienpornografi e" ärgert seine Gegner.
Wo fängt die Pornografie an?
Im 19. Jahrhundert war das Ausstellen von Mumien eine Pflichtübung für jedes Ägyptische Museum. Heute haben wir andere Schwerpunkte, vor allem die Kunst dieser alten Kulturen. Mumienschauen sind nicht notwendig für das Verständnis der Kultur und Religion. Sie sind rücksichtslos gegenüber dem Selbstverständnis der alten Ägypter bezüglich Tod und ewigem Leben.
Woher kommt die Lust an der Mumie?
Gibt es diese Lust überhaupt oder handelt es sich nicht nur um ein Konstrukt der Werbestrategen und Medien, das auf ein unzeitgemäßes, pseudohistorisches Interesse an der Vergangenheit zurückgreift?
Was ist mit den Mumien Ihres Hauses?
Ich wünsche, dass sie einmal ihren Weg zurück nach Ägypten finden, um dort bestattet zu werden. Doch nun haben die ägyptischen Behörden mit Tutanchamun und der angeblichen Mumie von Hatschepsut zwei prominente Mumien in einer für mich verstörenden Weise dem profanen Blick preisgegeben. Das heißt: Die Zeit für eine Rückführung ist noch nicht reif.
