Ausgabe: 01 / 2008
Seite: 108

Aufbau einer sperrigen Marke

Von Michael Kohler

Köln: Die European Kunsthalle bekommt ein Programmteam

Seit fünf Jahren gibt es am Rhein eine Kunsthalle weniger und dafür ein imaginäres Museum mehr. Am berühmten Kölner Loch, wo einst die Josef- Haubrich-Kunsthalle stand, die auf Betreiben der Stadtverwaltung abgerissen wurde, hatte ein aufgebrachtes Bürgertum die European Kunsthalle aus der Taufe gehoben und eine illustre Gruppe Kölner Künstler zur Finanzierung des Vorhabens Werke versteigern lassen. Jetzt zog der Trägerverein European Kunsthalle eine erste Bilanz und löste den Gründungsdirektor Nicolaus Schaf hausen, Leiter des Witte de With Museum in Rotterdam, wie vorgesehen durch ein vierköpfiges Programmteam ab. Dessen Besetzung nimmt den europäischen Gedanken des Projekts beim Wort: Bartomeu Marí ist Chefkurator am Museu d'Art Contemporani de Barcelona, Anders Kreuger Direktor der Malmö Art Academy und Rike Frank arbeitete als Ausstellungsleiterin der Wiener Secession, bevor sie ins Büro der Documenta 12 wechselte. Die Fäden laufen bei der freien Kuratorin Astrid Wege, die unter anderem am Kölner Museum Ludwig gearbeitet hat, zusammen. Ihre Aufgabe wird vor allem darin bestehen, der European Kunsthalle eine stärkere Präsenz gerade auch in Köln zu verschaffen.

So schwierig es war, der sperrigen Marke European Kunsthalle die öffentliche Aufmerksamkeit zu sichern, so viel diplo matisches Geschick dürfte jetzt gefragt sein, diese in politische Be kenntnisse oder gar in finanziel le Beteiligun gen umzumünzen. Ei ne erste Probe aufs Exempel steht nun mit dem Sommerpavillon an, den das neue Programmteam am zentralen Kölner Ebertplatz errichten möchte.

Die Entscheidung über eine Förderung des Ausstellungsprovisoriums wurde vom städti schen Kulturausschuss erst einmal vertagt. Über wie viel Geld der Trägerverein European Kunsthalle selbst noch verfügt, darüber schweigt Astrid Wege. Möglicherweise ist die Zeit bald reif für eine zweite Benefizauktion.

Internet: www.kunsthalle.eu

Drei vom Programmteam: Astrid Wege, Bartomeu Marí, Anders Kreuger