Ausgabe: 01 / 2008
Seite: 94
Grauer Aktivismus
Von Birgit Sonna
NÜRNBERG: NEUER REALISMUS
Das Neue Museum spürt einer Fortsetzungsgeschichte des Nouveau Réalisme nach. Wer sich in den sechziger Jahren noch als abstrakter Maler gerierte, galt als hoffnungslos verzopft. Die "neuen Realisten" probten eine möglichst farblose Resteverwertung, klaubten wie Arman antiquierte Fundstücke zusammen oder verlegten sich auf die Gastronomie.
"Kunst ist, was der Künstler tut", proklamierte Restaurantbetreiber Daniel Spoerri. Das Neue Museum in Nürnberg umreißt unter dem Titel "Wenn Handlun gen Form werden" dieses Aktionsfeld der Kunst. Mangels Platz reißt der Spannungsbogen allerdings in den neunziger Jahren ab. Hier hätte man sich ähnliche Marksteine wie bei den Grauen Eminen zen des Nouveau Réalisme gewünscht.
Einzig Leni Hoffmann wagt sich aus dem historischen Bannkreis und zementiert wortwörtlich ihren frechen Aktivismus:
Mehrere Eimer Wasser goss sie über eine Wand und spachtelte die Flecken dann mit Putz nach - selbstredend ganz in Grau.
Termin: bis 24. Februar 2008. Katalog: Verlag für moderne Kunst, 19 Euro. Internet: www.nmn.de
An der Wand Leni Hoffmanns "Tronten" (2007)
