Ausgabe: 01 / 2008
Seite: 109

Im letzten Anlauf

Von Hans Pietsch

Turner-Preis: Mark Wallinger machte das Rennen

D ie Buchmacher hatten ihn als Favoriten gehandelt, die Kritiker feierten ihn als würdigen Gewinner. Mark Wallinger selbst gab sich sehr zufrieden, gewonnen zu haben: Der Preis wird nur an Künstler unter 50 verliehen, er ist 48. Er war schon einmal nominiert worden, 1995, damals hatte ihn Damien Hirst aus dem Rennen geworfen.

Als Künstler ist er in allen Medien zu Hause: Er malt, dreht Filme, macht Skulpturen, Installationen und Performances. Die filmische Aufzeichnung einer solchen, "Sleeper" (2004), zeigte er in der Turner-Preis-Schau in der Tate Liverpool. Als Berliner Bär verkleidet, hatte er zehn Nächte im gläsernen Foyer der Neuen Nationalgalerie vebracht. Einsam irrte er durch den beleuchteten Raum - eine elegische Parabel über den Kalten Krieg, über Spione und Einsamkeit.

Wallingers Themen sind Religion und Politik, Glaube und Unglaube, nationale Identität und Globalisierung. Die Installation, für die er den Turner-Preis erhielt, vereint sie alle: "State Britain" (2007), letztes Jahr in der Tate Britain zu sehen, ist der Nachbau der Protestwand des Aktivisten Brian Haw vor dem Parla ment von Westminster - Spruch bänder, Plakate, Fotos gegen den Irakkrieg. Wallingers Arbeit zeigt, dass sich Kunst erfolgreich mit dem Hier und Heute auseinandersetzen kann. Dass der Turner- Preis an ihn ging, ist ein gutes Zeichen.

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Mark Wallinger mit Filmstar Dennis Hopper vor der Arbeit "Sleeper" aus dem Jahr 2004