Ausgabe: 01 / 2008
Seite: 108

Schaden hält sich in Grenzen

Von Michael Kohler

Krefeld: Sammlung Lauffs verlässt Kaiser-Wilhelm-Museum

Auch wenn der Verlust schmerzlich ist, schon zu Paul Wembers Zeiten gab es im Kaiser-Wilhelm- Museum ein Bewusstsein dafür, dass die Sammlung Lauffs nicht ewig bleibt", erklärt Martin Hentschel, Direktor des Krefelder Hauses.

Diese Aussage überrascht etwas, denn bisher überwog der Eindruck, die Stadt Krefeld wäre gera dezu aus allen Wolken gefallen, als die 82-jährige Sammlerin Hel ga Lauffs entschied, ihre 500 Objekte umfassende Kollektion wegen des sanierungsbedürftigen Zustandes des Museums abzuziehen.

Nun wird das Haus zwar ab Mitte 2008 für zehn Millionen Euro saniert. Zu spät jedoch für die alte Dame, die wohl durchaus auch Verkäufe erwägt - soll die Lauffs-Sammlung doch 400 Millionen Euro wert sein. Der Schaden für das Kaiser-Wilhelm-Museum hält sich nach Angaben Hentschels dank einer vorausschauenden Einkaufspolitik in Grenzen. Denn als der ehemalige Museumschef Paul Wember in den sechzi ger Jahren begann, die Lauffssche Sammlung mit aufzubauen, stockte er die hauseigenen Kunst bestände durch etliche "Paralleleinkäufe" auf.

So könnten in Krefeld auch weiterhin bedeutende Werke von Yves Klein, Sol LeWitt oder Andy Warhol gezeigt werden. Auch sei keine der für nächstes Jahr geplan ten Ausstellungen gefährdet.

In den Nebenspielstätten Haus Esters und Haus Lange werden unter anderem Arbeiten von Kiki Smith und Andreas Gursky zu sehen sein, das Haupthaus schließt ohnehin Mitte 2008 wegen der überfälligen Renovierung.

Bis spätestens dahin muss der heikelste Punkt der Trennung geklärt werden: der Verbleib des von Joseph Beuys noch eigenhän dig in Krefeld eingerichteten Werkblocks. Sowohl Helga Lauffs wie auch das Museum besitzen Teile des Ensembles. Doch derzeit lässt keine Seite erkennen, dass sie bereit ist, ihren Anteil in welcher Form auch immer an den anderen abzutreten. Für Martin Hentschel ist der "Block" vor allem das "geistige Eigentum" von Beuys und dürfe nicht zerstört werden.

Internet: www.krefeld.de/kunstmuseen

Sammlerin Helga Lauffs

Museumsleiter Martin Hentschel vor "Barraque D' Dull Odde" (1961/67) von Joseph Beuys