Ausgabe: 01 / 2008
Seite: 111

Warum Deutschlands Museen so "internäschenel" tun

Von Adrienne Braun

GLOSSE

Als das Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe seinen zehnten Geburtstag feierte, standen prominente Namen auf der Rednerliste: Der "Mayor of the City of Karlsruhe", der "Minister President of Baden-Württemberg" und natürlich der "Chairman" selbst - man ist schließlich "internäschenel". Auch Symposien zur Kunst finden inzwischen ganz selbstverständlich in Englisch statt, und das keineswegs nur in Karlsruhe.

Museen sind heute angehalten, ihre Häuser fürs Volk zu öffnen. Ganze Abteilungen wurden eingerichtet, die selbst Kleinkinder und Kaugummi kauende Teenies zu Picasso und Co. führen - Stichwort Kunstvermittlung. Das scheint vielen Verantwortlichen nicht zu behagen, sie würden sich lieber dem Wahren, Guten, Schönen widmen - ungestört von den Niederungen der Realität.

Nun ist der Ausweg gefunden: Englisch.

Klanginstallationen, Videoarbeiten und Filme, Texte auf Computern, Werktitel, Kataloge, alles wird selbstverständlich nicht übersetzt, einerlei, ob es sich um philosophische oder literarische Beiträge handelt oder um genuschelte Umgangssprache.

Man muss nicht die Pisa-Studie zitieren, um zu wissen, dass selbst Deutsche mit akademischer Bildung einer fremden Sprache häufig nur spärlich folgen können. Muss man die Texte etwa nicht verstehen, um der Kunst gerecht zu werden? Man soll es wohl nicht, denn unter dem Vorwand der Weltläufigkeit hat die eitle Kunst elite ein neues Mittel in der Hand, den Ausschluss zu praktizieren - aller Kunstvermittlung zum Trotz.

Englisch in öffentlich finanzierten Museen und Kunsthallen? Kein Problem, wenn sicher gestellt ist, dass alle Besucher vorab ein paar Jahre im englischsprachigen Ausland absolvieren und dann ebenso perfekt parlieren können wie die Kustoden und Direktoren der heimischen Musentempel - angeblich.

Englischsprachige Videos wie hier "Klatsassin" (2007) von Stan Douglas werden nicht übersetzt