Ausgabe: 01 / 2008
Seite: 111
Ein Riss geht durch das Haus
Von Stefan Lddemann
Museum: Direktor Jan Hoet verlässt Ende 2008 Herford
Seinem Nachfolger wünscht er Mut. "Es gab unglaublich viele Widerstände", sagt Jan Hoet, 71, über seine Arbeit als Direktor des 2005 eröffneten Museum Marta im ostwestfälischen Herford. Obwohl er erst zum Jahresende 2008 ausscheidet, klingt das bereits wie ein Nachruf auf bewegte Jahre. Vorher möchte er noch unter anderen den Schweizer Max Bill zeigen und bekräftigt sein Credo: "Kunst ist der stärkste Motor der Innovation".
Während der belgische Museumsmann von Konzepten spricht, wünscht sich Helga Franzen, Geschäftsführerin des von Stadt, Kreis, Land und heimischer Möbelindustrie getragenen Hauses, schlicht mehr Sponsoring. Ihre wichtigste Botschaft: Der Etat für 2007 wird strikt eingehalten.
Keine Selbstverständlichkeit, nachdem das Marta in den ersten bei den Jahren seiner Existenz safti ge Defizite von mehreren 100 000 Euro schrieb. Hier Ideen, dort das Geld - der Riss, der das Meinungsbild in Sachen Marta teilt, scheint mitten durch das Haus selbst zu gehen. Zwar beteuert Franzen, sich in das Programm nicht einmischen zu wollen, zugleich sind aber die Vorbehalte, die Hoets Arbeit begleiteten, inzwischen Legende.
Zu viel aktuelle Kunst, zu wenig publikumsträchtige Klassiker:
So lautet ein in Herford oft geäußertes Urteil. Entsprechend wirkt das von Frank O. Gehry mit dynamisch flatterndem Titanblech verkleidete Museum immer noch wie ein Kunstufo mit wenig Bodenhaftung - zumindest vor Ort. Passend dazu kommt über die Hälfte der Besucher nicht aus der Region, sondern von außerhalb.
Ob die Eröffnungsschau "My private Heroes" oder zuletzt das wie eine kleine Gegen- Documenta konzipierte "Marta schweigt" - Jan Hoet setzte Zeichen, die offenbar nicht jeder vor Ort verstehen wollte. "Zu viele Leute möchten, dass ein Museum wie eine Schuhfabrik funktioniert", sagt Hoet jetzt, während seine Geschäftsführerin fordert, Ausstellungen sollten sich künftig ganz über Eintrittsgelder und Sponsoren finanzieren lassen.
Hat sich in Herford der viel beschworene "Bilbao-Effekt" eingestellt?
In der nordspanischen Industriestadt gilt das ebenfalls von Gehry erbaute Guggenheim-Museum als spektakulärer Touristenmagnet.
Helga Franzen sieht durchaus positive Wirkungen des Marta auf Tourismus und lokale Wirtschaft. Doch Jan Hoet bleibt in diesem Punkt nüchtern. "Manche Erwartungen waren etwas aufgeblasen." Das Museum sei nur ein Anfang, viele weitere Entscheidungen müssten in der Region folgen. Entscheidungen in eigener Sache könnte Hoet übrigens bald schon treffen. Für die Zeit nach Marta habe er bereits Anfragen vorliegen. Und noch einmal ein Museum leiten? Hoet:
"Ich werde darüber nachdenken.
Ich hätte keine Angst, das zu tun."
"Es gab unglaublich viele Widerstände", sagt Jan Hoet, der Ende 2008 Abschied vom Marta in Herford nimmt
STEFAN LÜDDEMANN
