Ausgabe: 01 / 2008
Seite: 89

Vergessener Weltverbesserer

Von Birgit Sonna

Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie stellt den expressionistischen Einzelgänger vor REGENSBURG: MORIZ MELZER

Viele Reformgeister schwirrten im liberalen "Neuen Weimar" herum, gerade auch an der Großherzoglich Sächsischen Kunstschule. Unter den früh als Talent ins Auge fallenden Studierenden: der als Porzellanmaler ausgebildete Moriz Melzer. Inspiriert von den Neoimpressionisten, tupfte er pastellfarbene "Badende" in arkadisch verschleierte Lichtlandschaften.

Nach Aufenthalten in Paris und Florenz von 1912 bis 1914 mauserte Melzer sich zum eigentümlichen Expressionisten.

Um 1918 entstanden seine eindrücklichsten Gemälde: kontrastreich aus Farbrhythmen gesteigerte Bilder, deren futuristisch zersplitterte Formen eine bei Melzer sehr religiös ausgeprägte Erlösungssehnsucht spiegeln. An den so gut wie vergessenen, 1877 in Böhmen geborenen Einzelgänger des deutschen Expressionismus erinnert nun das Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg.

Obwohl Melzer nicht nur ein Mitbegründer der "Neuen Secession", sondern auch der revolutionären "Novembergruppe" war, galt er als harmonieselig.

Den Weg zur totalen Gegenstandslosigkeit wollte der idealistische Maler ohnehin nie gehen. Nach 1930 verfiel der in Berlin ansässige Melzer einem süßlichen Figurenmanierismus. Über diese dekorative Verirrung vergaß man auch die phänomenale Glanz zeit des 1966 gestorbenen Weltverbesserers.

Termin: bis 2. März 2008. Katalog: 25 Euro.

Internet: www.kunstforum.net

Melzers "Urwaldjäger (Mann mit Stocherrohr)" (1912)