Ausgabe: 01 / 2008
Seite: 86

Träumender Knabe und Oberwildling

Von Almuth Spiegler

Drei Ausstellungen geben einen Überblick über das Gesamtwerk des Expressionisten WIEN/LINZ: OSKAR KOKOSCHKA

Geplant war das zwar nicht, für jeden Oskar-Kokoschka-Fan sei es aber eine "einmalige Gelegenheit, die es in dieser Dimension nie wieder geben wird", ist sich Belvedere-Kurator Alfred Weidinger sicher: Im Frühjahr wird in zwei großen, unabhängig voneinander aufs Programm gesetzten Wiener Ausstellungen zumindest einen Monat lang Kokoschkas Früh- und Spätwerk miteinander zu vergleichen sein. Eine dritte Schau wird in Linz seine Rezeption vom "Oberwildling" zum "Entarteten Künstler" aufbereiten.

Die Albertina hatte das bisher weniger geschätzte Spätwerk des österreichischen Expressionisten (1886 bis 1980) ursprünglich schon im Herbst 2007 rehabilitieren wollen. Doch die Schweizer Kokoschka-Stiftung zog aufgrund eines Erbstreits die bereits zugesagten Leihgaben wieder zurück, um eine mögliche Beschlagnahmung zu verhindern. Wie auch immer dieser Zwist ausgeht: Die Ausstellung "Oskar Kokoschka. Exil und neue Heimat" im Frühjahr wird stattfinden, betont Albertina-Chef Klaus Al brecht Schröder - "mit oder ohne Leihgaben".

Mit weniger Tücken hat sich das Belvedere im Vorfeld seiner Schau "Oskar Kokoschka. Träumender Knabe - Enfant Terrible" plagen müssen: Zehn wich tige Gemälde aus Kokoschkas Frühzeit hat das Museum selbst in der Sammlung, darunter die "Heimsuchung" von 1912, das erste Bild, das Kokoschkas spätere Geliebte Alma Mahler zeigt, gemalt nur wenige Tage nach ihrem Kennenlernen - gleich nackt, natürlich. Aus dem New Yorker Museum of Modern Art kommt eine weitere Ikone, das Doppelbildnis der Kunsthistoriker Hans und Erica Tietze (1909).

23 Jahre jung war der Maler in seinem letzten Jahr auf der Wiener Kunstgewerbeschule, an der auch Gustav Klimt unterrichtete: "Ein explosiver Pool mit riesigem künstlerischen Potenzial", schwärmt Weidinger, der neben Künstlern, die Kokoschka beeinflussten (Rodin, Gauguin und George Minne) auch Werke seiner Schulkollegen zeigen wird. Weiter geht es über die kurze Zeit in Berlin und ein Wien-Intermezzo nach Dresden, wo Kokoschka unter anderem seinen Alma-Fetisch herstellen ließ, eine lebensechte Puppe, die er schließlich im Suff auf den Müll geworfen haben soll.

Termine: Belvedere, Wien, 24. Januar bis 12. Mai 2008; Albertina, Wien, 11. April bis 13. Juli 2008; Lentos-Kunstmuseum und OK-Centrum, Linz, 30. Mai bis 28. September 2008. Kataloge: Belvedere, 29 Euro; Albertina, 39,80 Euro. Internet: www.belvedere.at, www.albertina.at, www.lentos.at, www.ok-centrum.at

Mit Kokoschkas "Bildnis des Malers Carl Moll" (128 x 96 cm, 1913) kann das Wiener Belvedere aus der eigenen Sammlung schöpfen