Ausgabe: 01 / 2008
Seite: 14

Neues aus der Leonardo-Wundertüte

Von

In keinem Werk wird so sehr nach Geheimbotschaften gesucht wie in dem von Leonardo da Vinci. Nun glaubt der sardische Informatiker und Musiker Giovanni Maria Pala, 45, im "Abendmahl" (1495 bis 1497) eine musikalische Botschaft entschlüsselt zu haben.

Wie kamen Sie darauf, nach Noten zu suchen?

Ich hatte irgendwo gelesen, dass Leonardo dort eine Komposition versteckt hätte, das ließ mir keine Ruhe.

Monatelang durchsuchte ich das vergrößerte Bild am Computer.

Wo fanden Sie das erste Indiz?

Auf der Tischdecke. Dort sind senk- und waagerechte Linien, wie Notenlinien.

Auf der Tischkante liegen in regelmäßigen Abständen Brote.

Das sollen die Notenköpfe sein?

Ja. Erst versuchte ich, sie mit den übrigen Broten in Verbindung zu bringen, aber das ergab keinen Sinn. Dann kam ich darauf, dass Christus beim Abendmahl das Brot in die Hände nahm, brach und in die Hände der Jünger gab. Also versuchte ich es mit den Händen. Ich legte ein Transparentpapier über das Bild und markierte Brote und Hände. Plötzlich war eine Notenschrift lesbar, samt der Akkorde. Zum Glück kam ich auch noch darauf, dass Leonardo immer von rechts nach links schrieb, denn so muss man auch die Noten abspielen.

Und wie sind Notenwert und Zeitmaß kodiert?

In der Position der Hände: Man sieht immer drei Hände beieinander und eine Hand im Abstand. Leonardo stellt außerdem die zwölf Apostel in Dreiergruppen dar. So teilt er die Notenzeile in gleiche Abschnitte.

Wie lange dauert das Stück?

40 Sekunden. Ich ließ die Noten auf einer Orgel spielen, da im 15. Jahrhundert Kirchenmusik überwiegend Orgelmusik war. Es ist eine getragene, feierliche Musik - wie ein Requiem. Aber ich entdeckte noch mehr: Wenn man die Gruppen von Notenköpfen mit einer Linie verbindet, entstehen hebräische Schriftzeichen. Man kann den Satz entziffern:

"In ihm Heil und Gloria." Müssen wir jetzt Leonardo anders sehen?

Leonardo wurde häufig als ungläubig bezeichnet, als Häretiker. Wir entdecken ihn jetzt als einen Gläubigen.

Wie war das, als Sie die Musik zum ersten Mal hörten?

Mir blieb fast das Herz stehen.

Buch mit CD zum Thema: Giovanni Maria Pala "La Musica Celata" (Die verborgene Musik)

Giovanni Maria Pala