Ausgabe: 09 / 2007
Seite: 86-87

Der Schrecken der Wirklichkeit

Von Petra Bosetti

Die Kestnergesellschaft widmet dem Chinesen eine Einzelausstellung HANNOVER: WANG DU

Wang Du hat ein gebrochenes Verhältnis zu den Medien - egal, ob Zeitungen oder TV. "Qua litäten und Funktionen wie Neutralität, Verantwortung für Analyse- und Orientierungskontrolle der Gesellschaft, Übertragung von Informationen haben Medien mit einer unermesslichen Energie ausgestattet, die der einer Kernfusion entspricht", sagt der chinesische Bildhauer.

Und: "Wenn sie sich in den Dienst des Krieges stellen, werden sie mächtiger sein als irgendeine moderne Waffe." Eine solche Waffe, einen unbemannten Marschflugkörper "Cruise Missile", kutschierte er 2005 auf einem LKW durch die Biennale-Stadt Lyon. Und machte auch auf einen zweiten Aspekt seiner Medienkritik deutlich: Der reale Anblick einer Rakete in all ihrer Bedrohlichkeit vermittelt mehr von den Schrecken des Krieges als jedes Foto oder jeder Film.

Und so kommen in den Installationen und Plastiken des 1956 geborenen Bildhauers immer wieder Presseprodukte vor. 2001 füllte er einen Raum mit zerknüllten Exemplaren von "Le Monde". Eine Ausstellung im Pariser Palais de Tokyo konnten die Besucher durch einen 30 Meter langen Tunnel, gefüllt mit Tausenden von Zeitungen, betreten.

Auch in seiner ersten deutschen Einzelausstellung in einem Museum befasst Wang sich mit Printmedien, genauer: mit der "International Herald Tribune". Allerdings anders als gewohnt: Mannshohe Exemplare der zu Ballen geknäuelten Gazetten hat er ganz klassisch in Bronze gegossen; dafür hatte er zuvor Gussformen aus Ton gefertigt. Durch das Zerknüllen macht Wang Du die Vergänglichkeit aktueller Nachrichten deutlich und karikiert sie zugleich durch das für die Ewigkeit bestimmte Material Bronze.

Termin: 14. September bis 4. November. Katalog:

Kehrer Verlag, zirka 33 Euro. Internet: www.kestner.org