Ausgabe: 09 / 2007
Seite: 86
Fantastisches Fahrrad an der Wand
Von Alain Bieber
Das Haus der Kunst präsentiert spielerische Wandzeichnungen und Performances MÜNCHEN: ROBIN RHODE. WALK OFF
Alles begann mit einem Stück Kreide und einem Ritual aus der Schulzeit. Es prägte sich dem südafrikanischen Künstler Robin Rhode so tief ein, dass es zum Leitmotiv seiner Arbeit wurde: "Immer wieder klauten die älteren Schüler Kreide aus dem Klassenzimmer und malten damit Objekte, Kerzen oder Fahrräder an die Toilettenwände.
Dann zwangen sie die Jüngeren, mit den Zeichnungen zu agieren, also die Kerze auszublasen oder auf das Rad zu steigen.
Mich faszinierte dabei, dass keiner der Schüler ein Fahrrad besaß. Die Wand wurde zu einer Projektionsfläche für ihre Wünsche." Rhode hat jetzt seine erste Einzelausstellung in Deutschland und wird für "Walk Off" vor Ort eine neue Werkserie realisieren. Der 1976 in Kapstadt geborene Künstler zeichnet seine Werke direkt auf den Straßenbelag, auf Haus- oder Museumswände - und geht mit ihnen spielerisch um. Seine Werke sind voller Humor, Spontaneität und Sehnsucht. Er erschafft, allein durch die Kraft der Imagination, eine neue Realität. So verwandelt sich ein Stück Wand mit wenigen Strichen in eine Tischtennisplatte, einen Plattenspieler oder ein Auto: Bei seiner Performance "Untitled (Exit/Entry)" stürmte er mit nassen Kleidern das Contemporary Arts Museum in Houston, malte mit weißer Kohle auf die weißen Wände ein Automobil - und versuchte es anzuschieben. Übrig blieben von der ganzen Aktion nur die Abdrücke seiner Hände an der Wand und ein Dokumentationsvideo.
Termin: 16. September bis 6. Januar 2008.
Katalog: Hatje Cantz Verlag, 39, 80 Euro.
Internet: www.hausderkunst.de
