Ausgabe: 09 / 2007
Seite: 85

Der Hofmaler und die Spontaneität

Von Petra Bosetti

Die Musées Royaux des Beaux-Arts feiern den wichtigsten flämischen Barockmaler BRÜSSEL: RUBENS, EIN GENIE BEI DER ARBEIT

Peter Paul Rubens (1577 bis 1640) und kein Ende: Nachdem 2004 Großausstellungen in Wien (Slogan: "Die größte Rubens-Schau der Welt"), Lille (Slogan: "Die größte dem Künstler gewidmete Ausstellung seit 1977") und Braunschweig (bescheidener: keine "Bestof"- Ausstellung) eröffnet wurden, legt jetzt Brüssel mit einem vollmundigen Versprechen nach: "Das Publikum wird die einzigartige Gelegenheit haben, das künstlerische Genie von Rubens auf der Basis von fast 120 Werken zu entdecken." Die Rede ist von der Ausstellung "Rubens, ein Genie bei der Arbeit" in den Brüsseler Musées Royaux des Beaux-Arts. Allen vier Rubens-Schauen ist eines gemein: Es gab und gibt überhaupt keinen aktuellen Anlass, da kein einziger "runder" Jahrestag ansteht.

In Brüssel allerdings feiert man mit der Ausstellung das erfolgreiche Ende eines vierjährigen Forschungsprojekts, in dem man die eigenen, reichen Rubens- Bestände genauer unter die Lupe genommen hat, neue Provenienzen entdeckte und der Arbeitsweise des Künstlers nachspürte. Außerdem wurde entdeckt, dass bei einem Frauenporträt weder, wie bislang angenommen, Hélène Fourment noch ihre Schwester Susanne Fourment Modell gesessen hatten, sondern Rubens' erste Frau Isabella Brant. Projektleiter und Co-Kurator der Ausstellung, Joost Vander Auwera, kommt zu dem Schluss: "Alles in allem scheint Rubens ein weit spontanerer Künstler gewesen zu sein, als man es von einem Maler im Dienst der Mächtigen erwarten würde." Diese Mächtigen, die den einflussreichsten und vielseitigsten Maler der Niederlande im 17.

Jahrhundert als Hofmaler in ihre Dienste genommen hatten, waren der Herzog Vincenzo I. Gonzaga in Mantua oder die erzherzoglichen Regenten Albert und Isabella in Antwerpen.

In der Ausstellung sind nicht nur Werke aus dem Museumsbestand von rund 50 eigenhändigen Arbeiten und solchen aus seiner Werkstatt zu sehen - vor allem Szenen aus antiker und christlicher Mythologie und Porträts. Dazu kamen auch noch 60 Leihgaben wie eine Calvarienberg- Darstellung aus dem Universitätsmuseum in Berkeley (Kalifornien), ein Monumentalgemälde, das die jungfräuliche Jägerin Atalante aus der griechischen Mythologie zeigt, aus dem Prado in Madrid oder "Maria Magdalena" aus dem Palais des Beaux-Arts in Lille.

Termin: 14. September bis 27. Januar 2008.

Katalog: Verlag Lannoo, 39 Euro, im Buchhandel 47,50 Euro. Internet: www.fine-arts-museum.be/