Ausgabe: 09 / 2007
Seite: 84
Pop und patriotisches Getöse
Von Gnter Kowa
Das Saarlandmuseum zeigt einen neuen Bilderzyklus des deutschen Malers SAARBRÜCKEN: MORITZ GÖTZE - MÄNNER UND TATEN
Die lebensfrohen, in poppiger Farbigkeit gemalten Comicfigurenbilder des Hallenser Malers Moritz Götze sind seit langem in der Kunstszene präsent. Sein jüngster Zyklus aber dürfte für mehr Aufmerksamkeit sorgen als es bei ihm ohnehin üblich ist. In Saarbrücken zeigt er "Männer und Taten". Es ist das jüngste Kapitel in Götzes Auseinandersetzung mit heroischer Historienmalerei oder staatstragender Kunst. Nach den Arbeiterikonen der DDR lässt er sich immer mehr auf das Pathos der wilhelminischen Epoche ein. Und sein jüngster Beitrag ist selbst am Ort des Geschehens geradezu eine Wiederentdeckung.
1880 fertigte der Malerfürst Anton von Werner (1843 bis 1915) einen Zyklus zur Feier des damals erst zehn Jahre zurückliegenden Sieges von Sedan, bei dem die Preußen die Franzosen besiegt und Kaiser Napoleon III. gefangen genommen hatten, für das Rathaus von Saarbrücken.
Berühmt wurde daraus vor allem das "Victoria"-Motiv. Zwei Recken als Symbol für Preußen und Süddeutschland reichen sich die Hände im Zeichen der Siegesgöttin.
Aber nach 1945 lagen die Bilder im Depot der Stadt Saarbrücken und wurden dann verkauft. Mit Götze kommt das patriotische Getöse dieser Bilder in der skeptischen Gegenwart an. Die Victoria schwingt in einer Version statt der Kaiserkrone ein Eurozeichen, die Recken werden von Disney-Bambi und Manga-Mädchen flankiert und in einer weiteren Variante von anderen Errungenschaften der modernen Zivilisation.
Termin: bis 7. Oktober. Katalog: Deutscher Kunstverlag, 24,90 Euro. Internet: www.saarlandmuseum.de
Günter Kowa
