Ausgabe: 09 / 2007
Seite: 119
Fiasko hinter Plastikplanen
Von Claudia Bodin
Rechtsstreit: Ein Museum im Clinch mit Christoph Büchel
Vor Gericht wird nun der Streit u m die vom Massachusetts Museum of Contemporary Art (Mass MoCA) in Auftrag gegebe ne Installation des Schweizer Künstlers Christoph Büchel (art 7/2007) ausgetragen. Nachdem sich während der aufwendigen Auf bau-Arbeiten für "Training Ground for Democracy" abgezeichnet hatte, dass das vom Museum veranschlagte Budget bei weitem nicht ausreichen würde, wurde das Projekt abgebrochen.
"Ich hatte das Gefühl, es würde kein Ende nehmen", sagt Museumsdirektor Joseph C. Thompson, "daher musste ich einen Schlussstrich ziehen." Während er versichert, alles versucht zu haben, die Zusammenarbeit mit dem Künstler dennoch fortzusetzen, sagt Büchels Anwalt Donn Zaretsky, dass die Kommunikation an diesem Punkt abgebrochen worden sei. Es habe darüber hinaus nie einen schriftlichen Vertrag und keine Budgetvereinbarung gegegeben; die Herangehensweise des Museums bezeichnet er als "unfassbar naiv".
Weil das Museum sich als Produktionsstätte für Künstler versteht und das Material für Büchels Projekt als Eigentum ansieht, wollte es das Provisorium nun dennoch der Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Museumsleitung entschloss sich dabei zu einem provokanten Schritt: Sie schirmte die Arbeit mit Plastikplanen ab, hinter denen sich Ausschnitte erspähen lassen, und zeigt dazu Dokumente, die eine fruchtbare Zusammenarbeit mit anderen Künstlern belegen.
Anwalt Zaretsky moniert, das Museum verstoße damit gegen den "Visual Artists Rights Act":
"Ohne Ein willigung des Künstlers dürfen unvollendete oder modifi zierte Arbei ten nicht gezeigt werden." Ende September werden beide Parteien angehört.
Internet: siehe auch www.art-magazin.de
