Ausgabe: 09 / 2007
Seite: 118
Relaxen unter der Sounddusche
Von Ute Thon
Düsseldorf: Überzeugender Start der Julia Stoschek Collection
Die Eröffnung der Julia Stoschek Collection wurde im Vorfeld mit Skepsis beäugt (art 4/2007). Nicht zuletzt, weil die Idee von einer attraktiven, jungen Frau stammt, die für ihren Lebensunterhalt nicht arbeiten muss. Doch egal, welche Klischees vorher in den Köpfen kreisten, ein Rundgang durch die neuen Showräume für Foto- und Videokunst in einer ehemaligen Fabrik in Düsseldorf-Oberkassel (Architekten:
Kühn Malvezzi) dürfte auch die härtesten Kritiker überzeugen.
Selten wurde neue Medi en kunst so sorgfältig und abwechslungsreich präsentiert. Da stimmen Licht und Ton, die Projektionen sind scharf, vor den Flachbildschirmen baumeln keine unbequemen Kopfhörer, man steht ganz entspannt unter einer Sounddusche. Überhaupt sind alle Geräte "state of the art". Auch bei der Werkauswahl findet die Hausherrin eine gute Balance zwischen Showeffekt und Kontemplation.
Prunkstück der Ausstellung ist die pulsierende Mehr kanal-Videoinstallation "Interiors" von Doug Aitken. Auch Anthony McCalls minimale Filmlichtskulptur "Line Describing a Cone" ist ein echter Hingucker. Aber auch stille Arbeiten wie Paul Pfeiffers Video installation "Empire", die den dreimonatigen Nestbau von Wespen in Echtzeit zeigt, finden einen würdigen Platz. Wer sie komplett sehen will, muss öfter kommen.
Die Sammlung ist samstags nach Anmeldung geöffnet.
Internet: www.julia-stoschek-collection.net
