Ausgabe: 09 / 2007
Seite: 123

Rettung für Strichmännchen

Von Claudia Bodin

New York: Wandbild von Keith Haring vor dem Abriss bewahrt

Es war eine Rettungsaktion, die sich bezahlt machen wird: Das Galeristen-Ehepaar Alberto Magnan und Dara Metz investierte 400 000 Dollar (290 000 Euro) und heuerte Freunde und Spezialisten an, um eine Wandmalerei von Keith Haring abzutragen. Der Pop-Art-Künstler hatte eine Innenwand im Boy's Club auf der Pitt Street, einem Freizeitklub für Jungen auf der Lower East Side von Manhattan, 1987 mit seinen berühmten Strichmännchen bemalt.

Die Motive erzählen vom Basketballspiel oder vom Schwimmen, Lesen und Boxen.

Doch dann kaufte die gemeinnützige Organisation "Common Ground" das Gebäude der Stadt ab, um Sozialbauwohnungen auf dem Grundstück zu errichten.

Was bedeutet hätte, dass die beinahe sechs mal sechs Meter große Wandmalerei der Abrissbirne zum Opfer gefallen wäre. Das "Common Ground"-Management bat das Galeristen-Paar um Hilfe. Für ihren finanziellen Einsatz und ihre Risikobereitschaft wurde Magnan und Metz das Recht zugesprochen, die Malerei verkaufen zu dürfen.

"Es handelt sich um eine 18 000 Kilo schwere tragende Wand, wir mussten das komplette Gebäude drumherum abreißen lassen. So etwas hatte noch niemand zuvor gemacht", erzählt Metz. Die Wand überstand die Prozedur ohne Schaden. Mit einem Schwertransporter wurde sie im Morgengrauen nach New Jersey transportiert, wo sie seitdem in einer Halle lagert.

Die Galeristen würden Keith Harings Arbeit am liebsten in einer öffentlichen Einrichtung sehen.

Das Interesse ist groß. Es hätten sich Institutionen und private Sammler aus der ganzen Welt, auch aus Deutschland, angemeldet, sagen die geschäftstüchtigen Retter. Weil eine Wandmalerei bislang nicht auf dem Markt angeboten wurde, taten sich die Experten mit der Festlegung des Preises schwer. Dara Metz schätzt ihn auf 15 Millionen Dollar (rund 10,8 Millionen Euro).