Ausgabe: 09 / 2007
Seite: 119
Am Rand
Von
Museen: Das New Yorker Dia belebt eigene Traditionen
Nach verworfenen Umzugsplänen und dem Rückzug aus dem Galerienviertel Chelsea versucht der seit Frühjahr amtierende Direktor Jeffrey Weiss die New Yorker Dia Art Foundation wieder auf Kurs zu bringen. Die Stiftung war 1974 von Heiner Friedrich und Philippa de Menil mit dem Ziel gegründet worden, Künstler ohne herkömmliche Einschränkungen zu fördern.
Sie verfügt heute über eine bedeutende Sammlung mit Werken von Joseph Beuys, Dan Flavin, Richard Serra, Donald Judd und Andy Warhol sowie über eine gigantische Zweigstelle in Beacon bei New York, die Weiss' Vorgänger Michael Govan vor vier Jahren eröffnete. art-Korrespondentin Claudia Bodin sprach mit Jeffrey Weiss über seine Pläne. art: 1987 zog Dia als eine der ersten Kunstinstitutionen nach Chelsea. Nun sucht die Stiftung seit drei Jahren nach neuen Ausstellungsräumen.
Geht es jetzt in das nicht eben für Kultur bekannte Washington Heights?
Weiss: Ich gebe zu, dass mir dieser Teil von Manhattan immer interessanter erscheint. Auf jeden Fall werden wir Viertel wie Chelsea oder die Lower East Side meiden, denn dort hat sich die Kunstgemeinde stark entfaltet. Dia soll auch weiterhin ein alternatives Modell anbieten.
Gemeinsam mit Dia-Kuratorin Lynne Cooke haben Sie nun die Idee zu einer Zusammenarbeit mit der Hispanic Society of America umgesetzt. Damit ist Ihnen der erste ungewöhnliche Schritt gelungen.
Das Projekt ist typisch für die unkonventionellen Kooperationen in der Tradition des Dia. Die Hispanic Society hat wunderschöne Räumlichkeiten und eine beeindruckende Sammlung von Manuskripten, Kunstbüchern und Artefakten aus der frühen Geschichte Spaniens und Mexikos.
Bisher zählt es jedoch nur wenige Besucher. Das wird sich hoffentlich ändern.
Aber welchen Bogen spannt Dia zur spanischen und lateinamerikanischen Kultur?
Wir laden Künstler ein, Arbeiten zu entwerfen, die sich auf die historische Sammlung beziehen sollen. Den Anfang macht Francis Alrs. Seit Jahren sammelt er Bilder der Heiligen Fabiola, die er in verschiedenen Orten Mexikos fand. Er wird sie so im Gebäude hängen, dass es aussieht, als ob sie schon immer da gewesen wären.
Die Dia-Stiftung steht heute für berühmte Landschafts-Installationen in der Wüste New Mexicos oder das Dia-Museum in Beacon.
Wie wird es unter Ihrer Führung weitergehen?
So vieles in der Kunst bewegt sich in Richtung Unterhaltungskultur.
Wir werden diesem Druck standhalten. Es gibt das Museum in Beacon, konventioneller werden wir nicht. Im Herbst werden wir unseren neuen Standort verkünden.
Mein Plan lautet, dass wir uns nicht zur Mitte bewegen, sondern e bleiben.
Internet: www.diacenter.org
