Ausgabe: 09 / 2007
Seite: 116
Kostbares Alibi
Von Kito Nedo
Unskandalös: Der Preis der Nationalgalerie für junge Kunst
Mit ihren an Ketten hängenden Lustschaukeln mag sich Monica Bonvicini, die im Jahr 2005 den mit 50 000 Euro dotierten Preis der Nationalgalerie für junge Kunst erhielt, gegen ihre Mitbewerber durchgesetzt haben - zur Provokation taugte ihre Installation leider nicht. Ein weltweiter Medienrummel wie ihn der britische Turner-Preis alljährlich wieder auslöst: Das blieb somit auch nach dem dritten Preis- Durchgang der unerreichte Traum von Peter Raue und dem "Verein der Freunde der Nationalgalerie", die diese Veranstaltung im Jahr 2000 stifteten.
Vielleicht sind die Künstler hier einfach nicht auf den Rummel angewiesen? Nichts stützt diese Vermutung stärker als die demonstrative Abwesenheit der diesjährigen Anwärter - Tino Sehgal, Jeanne Faust, Ceal Floyer und Damián Ortega - bei der Party, die im vergangenen Herbst in einem Autohaus am Kurfürstendamm anlässlich ihrer Bekanntgabe abgehalten wurde.
Heiner Bastian, Kunsthändler und ehemaliger Kurator am Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart in Berlin, der den Preis als bloßes "Alibi der Freunde der Nationalgalerie" bezeichnete, schlug denn auch vor, das dafür aufgewendete Geld besser in den laufenden Ausstellungsbetrieb zu investieren.
Ausstellung: Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart, Berlin, 14.
September bis 4. November
