Ausgabe: 09 / 2007
Seite: 117
Vorbildlich
Von
Boykott II: Ausnahmeregelung für Kunsthochschulen?
Rund die Hälfte der studiengebührpfl ichtigen Studenten der Hochschule für bildende Künste Hamburg wird derzeit exmatrikuliert (siehe oben). Die angesehene Hochschule ist in ihrer Existenz gefährdet. art-Autorin Kia Vahland sprach mit Werner Büttner, dem Vorsitzenden des Studienganges Kunst. art: Sind Sie stolz auf Ihre rebellischen Studenten?
Büttner: Ja, natürlich! An keiner anderen Hochschule in Deutschland boykottierten so viele Studierende die neu eingeführten Gebühren. Mich hat der Protest an der HfbK überrascht, denn Kunststudenten neigen nicht dazu, sich in Massen zusammenzuschließen.
Normalerweise sind das Einzeltäter.
Was können die Studenten jetzt noch erreichen?
Die Armut in Deutschland beenden, wie es einige möchten, das wird ihnen leider nicht gelingen.
Aber vielleicht erreichen sie eine Ausnahmeregelung für die HfbK.
Sie spielen auf den Vorschlag des HfbK-Präsidenten Martin Köttering an, den Studenten einen Teil der Gebühren in Form von Materialzuschüssen zurückzugeben?
Besser wäre, der Senat würde die Studiengebühren der Kunsthochschule senken. Die Politik sollte einsehen, dass die Existenz der Hamburger Kunsthochschule auf dem Spiel steht, wenn wir ausgerechnet unsere erfahrenen Studenten verlieren. An denen orientieren sich doch die Anfänger.
Renommierte Künstler wie Ihr ehemaliger Student Jonathan Meese fordern die Abschaffung der Kunsthochschulen. Wofür brauchen Künstler eigentlich Ausbildungsstätten?
Sie brauchen den spielerischen Raum, in dem sie sich aneinander reiben können. Meese hat in einem Punkt recht: Ein Diplom hilft einem Künstler nicht weiter.
Das Studium aber sehr wohl, denn nur hier kann man sich mit gleichaltrigen Kollegen austauschen und auch etwas über ältere Kunst lernen. Ohne die HfbK würde Meese immer noch vom Geld seiner Mutter leben - und nicht sie von seinem.
