Ausgabe: 09 / 2007
Seite: 117
"Dann geh ich woanders hin"
Von Tilman Hffken
Boykott I: Hamburger Kunststudenten gegen Studiengebühren
Wie eine Bastion mutete die Hochschule für bildende Künste Hamburg zur Jahresausstellung 2007 an. Hinter einer Mauer aus weißen Regenschirmen, die ursprünglich einmal als bloße Installation gedacht waren, verteidigten sich die Studenten, angeführt vom AStA der Hochschule, gegen den Feind "Studiengebühren".
500 Euro Studiengebühren sollen sie von nun an pro Semester auf das Konto der HfbK überweisen. Über die Hälfte der rund 390 Kunststudenten des renommierten Instituts, die Studiengebühren zahlen müssen, hat diesen Beitrag bisher nicht gezahlt. Und manch einer, der von den Gebühren befreit ist, überlegt sogar, sich aus Solidarität exmatrikulieren zu lassen.
In der Jahresausstellung haben einige ihren Arbeiten die erhaltene Zahlungserinnerung an die Seite gestellt, andere machen den Protest gleich zum Thema ihres Werks oder boykottieren sogar die Ausstellung selbst. Die Kunstpädagogikstudentin Nina Hotopp, 37, hat einen Kontoauszug neben ihre Arbeit gelegt, aus dem hervorgeht, dass sie monatlich rund 200 Euro für Arbeitsmaterial ausgibt.
Für viele Studenten wären die Gebühren das Aus an der HfbK.
Rosa Lübke, 22, Studentin der Freien Kunst, fürchtet, dass gerade die Talentiertesten gehen, sollte es bei den Studiengebühren bleiben:
"Dann wird es hier um einiges langweiliger werden." Mitstudentin Julia Soll, 21, denkt bereits über einen Hochschulwechsel nach. In Berlin oder Düsseldorf müsste sie keine Studiengebühren zahlen. Der 25-jährige HfbK-Student Alex Hatchl spielt mit dem Gedanken, die Kunst aufzugeben, sollte er exmatrikuliert werden: "Wenn man in seiner Existenz bedroht ist, muss man sich eben was anderes suchen." Inzwischen hat die Hochschule begonnen, Studenten zu exmatrikulieren.
Eine Hintertür hält sie sich und ihren Studenten allerdings offen: Wer bis zum 30. September zahlt, wird wieder aufgenommen.
TILMAN HÖFFKEN
