Ausgabe: 09 / 2007
Seite: 24-37

Die Medici von Moskau

Von Manfred Schwarz

Um die Jahrhundertwende erlebte Russland eine Blüte der Moderne. Fortschrittliche Sammler wie Sergej Schtschukin präsentierten in ihren Salons die neuesten Bilder von Renoir, Picasso und Matisse. Die Düsseldorfer Ausstellung "Bonjour Russland" zeigt die Wechselwirkungen zwischen russischer und französischer Avantgarde

Ein Künstler im engeren Sinne war Sergej Schtschukin eigentlich nicht. Schon gar kein großer. Dennoch ist er mit ein paar wenigen Pinselstrichen in die Kunstgeschichte eingegangen. In einer schwachen Stunde hat der märchenhaft reiche russische Textilmagnat, leidenschaftliche Kunstsammler und, nun ja, gelegentliche Hobbymaler mit ein paar Tupfern roter Farbe das Genital eines nackten Knaben auf Henri Matisses monumentalem Wandgemälde "Die Musik" (1910) übermalt.

Der Eingriff ist noch heute auf dem berühmten Gemälde sichtbar.

Das Bemerkenswerte dieser Geschichte liegt jedoch nicht in dem unbeholfenen Akt der Zensur, sondern darin, dass die Übermalung in einem Moskauer Salon stattfand - vom Montmartre aus gesehen also am fernsten, eisigen Ende der Welt. Als Retuscheur mag Schtschukin (1854 bis 1936) eher zweifelhafte Fähigkeiten bewiesen haben, als Sammler moderner zeitgenössischer Kunst war er eine Ausnahmeerscheinung: ein Förderer, Abenteurer und Entdecker - eine epochale Figur. In den wenigen Jahren zwischen dem Ende des 19. Jahrhunderts und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs hat er im fernen Moskau eine mehrere 100 Werke umfassende Sammlung aktueller, avantgardistischer Kunst aus Frankreich zusammengetragen - vom Impressionismus bis zum Kubismus, von Monet über Gauguin bis zu Matisse und Picasso, von denen einige Meisterwerke nun im Rahmen der Ausstellung "Bonjour Russland" im Düsseldorfer Museum Kunstpalast bewundert werden können.

Schtschukin war die Galionsfi- gur des jungen, sich zum Westen öffnenden Russlands. Der großbürgerlichen Elite dieses Landes zumal, Unternehmer, Kaufleute und Industrielle, die ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zunehmend als kulturpolitische Akteure auftraten und - als Sammler, Mäzene, Museumsgründer - jenen entscheidenden Beitrag zur Kunstförderung lieferten, zu dem sich das taumelnde Zarenhaus und der müde alte Adel immer weniger aufschwingen konnten. Dazu gehörten auch die Brüder Pawel und Sergej Tretjakow, die bereits 1892 ihr gleichnamiges Privatmuseum gründeten, Michail und Iwan Morosow, Sawwa Mamontow oder die Teehandels-Dynastie der Botkins. Sie formten jenen legendären Zirkel der "Moskauer Medici", die mit ihrem Geld und ihrem Geschmack, mit ihrem immensen Bilderfi eber das schlafende Riesenreich weckten und den Aufschwung der russischen Kunst unterstützen.

Wie sehr diese neureichen Kaufleute, die oftmals ihre Sammeltätigkeit ausdrücklich in den Dienst der Allgemeinheit stellten - Richesse oblige, Reichtum verpflichtet, lautete die gültige Losung -, wahrhaftig die künstlerische Kultur ihres Landes bereichern konnten, lässt sich jetzt in der Düsseldorfer Ausstellung erleben.

Die rund 140 Meisterwerke aus den großen Staatsmuseen Russlands, in denen die bürgerlichen Sammlungen während der Revolution aufgegangen sind, das Puschkin-Museum und die Tretjakow-Galerie aus Moskau, die Eremitage und das Staatliche Russische Museum aus St. Petersburg, bieten viel mehr als eine exquisite Blütenlese moderner russischer und französischer Malerei zwischen Realismus und Konstruktivismus: Sie erzählen die faszinierende Geschichte des "Silbernen Zeitalters" im spätzaristischen Russland, als sich die bürgerliche Sammelkultur und die künstlerische Avantgarde des Landes wechselseitig stimulierten und das Kunstleben im vorrevolutionären Russland in höchster Blüte, für einige grandiose Jahre sogar an der Spitze der europäischen Entwicklung stand.

Besonders Schtschukin hatte mit seiner Kunstleidenschaft einen Verbindungskanal zwischen der Pariser Avantgarde und dem noch ganz von altrussischer Folklore beherrschten Moskau installiert, auf dem die neuesten Nachrichten ausgetauscht und die neuesten Bilder bestaunt werden konnten. In nur wenigen Jahren hatte Schtschukin eine der reichsten und qualitätsvollsten Sammlungen französischer Malerei zusammengetragen.

In seiner Moskauer Stadtvilla in der Großen Snamenski-Gasse waren, atelierfrisch, oft noch im Jahr ihrer Entstehung, die Arbeiten von Auguste Renoir, Claude Monet, Paul Cézanne und Pablo Picasso zu sehen - oft sogar früher als in den Salons von Paris, München oder Berlin. Selbst aus Tahiti kamen die Paradiesbilder Paul Gauguins, mit einem kurzen Zwischenstopp im Pariser Kunsthandel, direkt ins tief verschneite, angespannte zaristische Russland. Und sogar von Henri Rousseau, den man in Paris lange als lustigen Sonntagsmaler belächelte, hat Sergej Schtschukin Meisterwerke wie das Bild "Der Dichter und seine Muse" nahezu umgehend nach Moskau gebracht.

Mit Matisse verband ihn eine besondere Freundschaft. Schließlich hatte er dessen Bilder schon gekauft, als die Pariser Öffentlichkeit sie noch als "Monstrositäten" schmähte. Am Ende befanden sich rund 30 Werke des rebellischen Postimpressionisten in seinem Besitz, darunter auch die monumentalen Gemälde "Die Musik" und "Der Tanz", die heute zu den Schlüsselwerken der Moderne zählen.

Schtschukin hatte sie 1909 bei dem Künstler in Paris für bemerkenswerte 12 000 und 15 000 Franc in Auftrag gegeben. Nun waren sie in Moskau für jedermann zu begutachten.

Denn der Textilmagnat hatte sein vornehmes Haus zu einer quasi öffentlichen Galerie gemacht. Sonntags führte er persönlich durch die Sammlung.

Zu den ständigen Besuchern zählten nicht nur die größten russischen Maler, Theaterleute und Komponisten jener Zeit, Surikow, Serow, Kandinsky, Malewitsch, Stanislawski, Diaghilew, Rachmaninow und Skrjabin, sondern auch wissbegierige Kunststudenten.

Der russische Kunstkritiker Jakob Tugendhold notierte nach einem Rundgang durch die Bildergalerie:

"Vor uns liegt geöffnet die erste heroische Seite aus dem Buch zur Geschichte der modernen Kunst - an den Wänden eines Moskauer Kaufmannshauses sind die Außenseiter der Kunst versammelt." Aber es kamen auch weniger fortschrittliche Geister der russischen Gesellschaft. Es gab die Spötter, die den Sammler als ebenso reichen wie exzentrischen Snob verhöhnten, als einen gefährlichen Scharlatan. Fürst Schtscherbatow etwa fühlte sich beim Anblick der Moskauer Boheme, die in Schtschukins Villa die Bilder der Pariser Boheme bestaunte, "an Eskimos" erinnert, die "ein Grammophon begaffen".

Und in der Moskauer Kunstakademie kam man zu dem Schluss, dass man, um die russische Malerei vor dem drohenden Verfall zu retten, vor dem Nervengift der französischen Maler, den jungen Kunststudenten die sonntäglichen Exkursionen zur Bildergalerie des Unternehmers strengstens verbieten müsste. Wohl deshalb hatte Schtschukin, als "Die Musik" aus Paris in Moskau eintraf, in einem schwachen, zweifelgeplagten Moment die prekäre Stelle übermalt.

Die Wertschätzung zwischen Maler und Sammler hat dieser Eingriff nicht getrübt. Als Matisse 1911 auf Schtschukins Einladung zu einem längeren Besuch in Moskau weilte, empfand er die florierende russische Boomtown zwar als "ein riesiges, farbenprächtiges asiatisches Dorf mit bunt bemalten Holzhäusern und schmutzigen, ungepflasterten Straßen", dem man nur den Anschein einer modernen europäischen Hauptstadt flüchtig "übergestülpt" hat. Doch im Palais des Sammlers war die große Welt zu Hause: die besten Gemälde, die im Paris des frühen 20. Jahrhunderts geschaffen wurden. In diesem Treibhaus der Moderne kamen sich, für einen welthistorischen Augenblick, zwei so denkbar weit auseinanderliegende Pole ganz unmittelbar nahe - die französische und die russische Kultur -, um herrliche Funken zu schlagen.

Matisse war es auch, der den russischen Sammler mit Picasso bekannt machte. Im Herbst 1908, auf einer von Schtschukins Einkaufstouren in Paris, führte er ihn ins Künstlerhaus Bateau-Lavoir, wo Picassos Skandalbild "Demoiselles d'Avignon" kurz nach seiner Vollendung zu sehen war.

Schtschukin war häufig und regelmäßig in Paris und spürte nach Neuigkeiten.

Oder er ging in den Louvre, wo die ägyptische Abteilung größte Faszination auf ihn ausübte. Aber auch rasante Einkaufstouren im ganz großen Stil gab es natürlich.

Sie waren legendär im Milieu der Pariser Händler und Künstler.

Zum ungläubigen Staunen, zur Freude der Galeristen wie Kahnweiler, Bernheim-Jeune oder Vollard konnte Schtschukin durchaus auch mal an einem Nachmittag ein ganzes Dutzend atelierfrischer Picasso-Arbeiten erwerben. Sein "unbestechliches Auge" war berüchtigt. Die Ehefrau Wassily Kandinskys hat einmal verwundert geschrieben, dass dieser Kaufmann aus Moskau jenen durchdringenden, große Qualität sofort er kennenden Blick besitze, wie er sonst nur für Künstler typisch sei. Und Matisse erzählte später, dass sich Schtschukin auch nicht vom Kauf mancher seiner Arbeit abhalten ließ, wenn er, ihr Schöpfer, diese selbst als "misslungen" bezeichnete - weil er sie vielleicht lieber selbst behalten wollte - und andere Gemälde empfahl. "Ich nehme lieber das misslungene", soll der Russe dann geantwortet haben.

Die "Demoiselles d'Avignon" aber sind ihm entgangen. Hätte Schtschukin nicht später weit größere Katastrophen erleben müssen - die Verstaatlichung seines Besitzes nach der Oktoberrevolution, den Verlust seiner Heimat, auch der geistigen, mit der heimlichen Flucht aus dem bolschewistischen Moskau - dieses Versäumnis hätte ihn vermutlich bis ans Ende seiner Tage geärgert.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte der russische Textilhändler verarmt und zurückgezogen im südfranzösischen Nizza - ausgerechnet in der Stadt also, in der sein einstiger Schützling Matisse eine recht wohlhabende, vom zunehmenden Ruhm veredelte Künstlerexistenz führte. Als gebrochener, ruinierter Mann schämte sich der ehemalige Mäzen nun, seinem Lieblingsmaler gegenüberzutreten. Nur nach langem Zögern ließ er sich dazu bewegen, gemeinsam mit Matisse den greisen Renoir zu besuchen. Auch von diesem mittlerweile berühmten Maler hatte der Russe einst einige Meisterwerke besessen, eingerahmt von zahlreichen Gemälden der anderen großen Impressionisten, Degas, Pissarro oder Sisley, überflügelt noch von einer Suite 13 kapitaler Monets.

Besonders demütigend muss für ihn jedoch die letzte Begegnung mit Picasso im Süden Frankreichs gewesen sein. Über 50 Gemälde des Spaniers - Meilensteine aus der blauen und rosa Periode und den frühen kubistischen Jahren - gehörten zu Schtschukins Sammlung; ein größeres, gewichtigeres und wohl auch erleseneres Konvolut wurde wohl von keinem anderen Privatmann jemals zusammengetragen.

Gönnerhaft schenkte ihm nun der reiche Maler eine beiläufig dahingeworfene Skizze - "so etwas ist heutzutage viel Geld wert", soll er dabei gesagt haben -, die sein leidenschaftlichster Verehrer nicht einmal behalten konnte. Er musste sie wirklich kurz darauf zu Geld machen.

Sergej Schtschukin, dieser neureiche Kaufmann, der mit staunenswerter Sicherheit die bleibenden Werte in der ganz jungen Kunst erspürte, hat in seinem Haus für eine kurze, glorreiche Zeit die französische und die russische Kunstwelt auf höchstem Niveau zusammengebracht. Weil dieser Sammler ein so bedeutender, ein so großer Mann war, hat Henri Matisse auch gnädig über die hingepfuschten Pinselstriche auf seinem Meisterwerk hinweggesehen, als er gemeinsam mit Schtschukin im Treppenhaus vor der "Musik" stand. Man würde es gar nicht merken, hat er tapfer und höflich dem sichtlich verlegenen Gelegenheitsmaler erklärt, den er auch später noch stets rühmte:

Schtschukin sei, im besten Sinne, ein "vollendeter Bourgeois" gewesen.

Kasten:

Russische Schatzkammern der Moderne Zahllose Privatsammlungen wurden nach der Oktoberrevolution verstaatlicht - auch die von Sergej Schtschukin und Iwan Morosow. Ihre Bilder landeten später in den Museen Moskaus und St. Petersburgs Die Eremitage in St. Petersburg ist seit 1852 dem Publikum geöffnet. Ihre umfangreichen Sammlungen, die sich auf rund drei Millionen Objekte belaufen, sind derzeit auf fünf historische Paläste verteilt. Seit der Gründung durch Katharina die Große im 18. Jahrhundert spielten französische Kunst und französischer Geschmack eine zentrale Rolle. Viele Meisterwerke der französischen Moderne aus den Sammlungen Schtschukins und Morosows gehören heute zum Bestand der Eremitage. So etwa die Jahrhundertbilder "Der Tanz" und "Die Musik", die Henri Matisse für das Treppenhaus in Schtschukins Moskauer Domizil schuf.

Die Tretjakow-Galerie wurde als Nationalgalerie russischer Kunst 1892 von Pawel Tretjakow der Stadt Moskau übereignet.

Sie umfasste damals vor allem Werke der realistischen Maler, aber auch altrussische Ikonen und Gemälde des 18. und des frühen 19. Jahrhunderts und war in seinem Moskauer Stadthaus untergebracht. Heute ist dieser Kernkomplex durch ausgedehnte Anbauten erweitert. Wie die anderen Staatlichen Museen ist die Tretjakow-Galerie nach der Revolution durch Zugänge aus enteigneten Privatsammlungen noch erheblich gewachsen. Allerdings wurde die Abteilung europäischer, vor allem französischer Malerei, auf die sich zum Beispiel die Sammeltätigkeit Sergej Tretjakows spezialisiert hatte, herausgelöst und der Eremitage beziehungsweise dem Puschkin-Museum übertragen.

Die Tretjakow-Galerie ist heute wohl das bei den Einheimischen populärste russische Museum. Vor allem die Werke der Künstlergruppe "Wanderer" erfreuen sich höchster Beliebtheit.

Das Staatliche Puschkin-Museum in Moskau geht auf eine Gründung des Jahres 1912 zurück. Seine heute enormen Sammlungsbestände zur modernen Kunst nehmen aber erst durch die Zuwächse aus den ehemaligen Privatsammlungen, die nach der Oktoberrevolution verstaatlicht wurden, Gestalt an. Die größte Sammlung französischer Impressionisten in Russland ist heute hier zu finden. Sie stammen vorwiegend, aber nicht ausschließlich, aus den Gemäldegalerien der Familien Schtschukin und Morosow.

Das Staatliche Russische Museum in St. Petersburg ist 1895 von Zar Nikolaus II. gegründet worden, nicht zuletzt auch als Reaktion auf Pawel Tretjakows private sammlerische Großtat. Es beherbergt im ehemaligen Michailow-Palast und den diversen Zweigstellen rund 400 000 russische Kunstwerke aller Gattungen.

Kasten:

Bonjour Russland Was es bei der Schau im Düsseldorfer Museum Kunstpalast zu sehen gibt Chefkurator der Ausstellung ist der renommierte Geschäftsführer der Londoner Royal Academy of Arts, Norman Rosenthal, Hauptsponsor ist der Energiekonzern Eon, der seit vielen Jahren Geschäftsverbindungen nach Russland unterhält. Im Mittelpunkt der Schau, so Rosenthal, "steht die Reflexion der von den russischen Repräsentanten der modernen Kunst unter dem Einfluss der Pariser Meister unternommenen Wandlungen.

Wobei nicht übersehen werden sollte, wie schnell die Schüler ihre Meister eingeholt haben, um neue Horizonte zu erschließen, die zuvor in der Kunst unvorstellbar gewesen wären." Der Reigen mit rund 140 ausgewählten Meisterwerken ist in vier thematische Kapitel gegliedert:

Im ersten wird die realistische Malerei Russlands aus dem Umfeld der Künstlervereinigung "Die Wanderer" - sie wurde wesentlich von Pawel Tretjakow lanciert und gesammelt - zusammen mit den Werken der französischen Künstlerkolonie in Barbizon präsentiert. Sergej Tretjakow, der jüngere Bruder Pawels, gehörte zu den wichtigsten russischen Sammlern und Vermittlern der realistischen Landschaftsmalerei Frankreichs.

Die großen Moskauer Sammler der französischen Avantgarde zwischen Impressionismus und Kubismus, Sergej Schtschukin und Iwan Morosow, stehen im Mittelpunkt des zweiten und gewichtigsten Ausstellungskapitels. Hier sind die Glanzlichter der Schau von Matisse und Picasso, Gauguin und van Gogh, Monet und Cézanne zu sehen.

Dem russischen Jugendstil und Symbolismus ist die dritte Abteilung gewidmet. Das St. Petersburger Kunstmagazin "Welt der Kunst" und ihre Mentoren Sergej Diaghilew beziehungsweise Alexander Benois spielen hier die dominierende Rolle.

Abschließend wird die russische Avantgarde kurz vor und nach der Oktoberrevolution präsentiert, mit Werken von Malewitsch, Puni, Filonow, Exter oder Tatlin. Der Anschluss an die modernsten Strömungen in der Pariser Kunst, der nicht zuletzt durch die russischen Sammler hergestellt wurde, diente ihnen als Sprungbrett in die Zukunft. Zugleich sind auch Werke von Kandinsky bis Gontscharowa vertreten.

Termin: 15. September bis 6. Januar 2008; anschließend in der Royal Academy of Art, London. Katalog: Verlag Palace- Editions, 29 Euro, im Buchhandel 39 Euro. Internet: www.bonjourrussland. de Literatur: Hilary Spurling: Der unbekannte Matisse, DuMont Verlag1999. Morosow und Schtschukin. Die russischen Sammler. Monet bis Picasso. DuMont Verlag, 1993

Erinnert an Andy Warhols Pop-Art-Porträts: Petr Miturichs "Bildnis des Komponisten Arthur Lourié" (1915, 102 x 102 cm)

Vincent van Goghs "Bildnis des Doktor Rey" (1889, 64 x 53 cm) gehörte einst zur Sammlung Sergej Schtschukins

Russischer Maler, griechische Mythologie: Valentin Serows "Raub der Europa" (1910, 71 x 98 cm)

Sergej Schtschukin hat einen Verbindungskanal zwischen der Pariser Avantgarde und dem noch ganz von russischer Folklore beherrschten Moskau installiert

Biblisches Motiv:

Natalja Gont - scharowas Gemälde "Bauern" (1911, 131 x 101 cm)

Henri Rousseau hat in "Der Dichter und seine Muse" (1909, 131 x 97 cm) Guillaume Apollinaire und Marie Laurencin verewigt

Pablo Picassos Gemälde "Gitarre und Geige" (um 1912/13, 65 x 54 cm) dekonstruiert die abgebildeten Instrumente

Ljubow Popowa setzt in "Suprematismus" (1916) die Bewegung von Maschinen in malerische Kompositionen um

Matisse: "Kapuzinerkresse, Wandbild Der Tanz II" (1912, 191 x 115 cm)

Kusma Petrow-Wodkin: "Jungen" (1911, 123 x 157 cm)

Henri Matisses "Der Tanz" (1910, 260 x 391 cm), ein Schlüsselbild der Moderne, war eine Auftragsarbeit für den Sammler Schtschukin

Die Moskauer Kunstakademie wollte ihren Studenten die Besichtigung der französischen Avantgarde-Bilder zunächst verbieten

Russischer Jubel: Ilja Repins "17. Oktober 1905" (1907, 184 x 323 cm) zeigt Reaktionen auf die Verkündung liberalerer Grundrechte

Mit ihrem Geld und ihrem Geschmack weckten die Moskauer Sammler das schlafende Riesenreich und unterstützten den Aufschwung der russischen Kunst

Valentin Serow:

"Porträt Graf Felix Felixowich Sumarikow- Elston" (1903, 89 x 72 cm)

Pariser Lebensart: Auguste Renoirs "Im Garten (unter den Bäumen von Moulin de la Galette)" von 1876/80 (81 x 65 cm)

Immer noch sichtbar: intime Übermalung in Matisses "Musik" (1910, 260 x 389 cm)

Der russische Sammler und Mäzen Sergej Schtschukin (1854 bis 1936)

Selbst aus Tahiti kamen die Paradiesbilder Paul Gauguins ins tief verschneite, spätzaristische Russland

Chefkurator Norman Rosenthal

Es gab auch Spötter, die Sammler wie Schtschukin als Snobs und gefährliche Scharlatane verhöhnten

Exotische Hohepriesterin: Gauguins "Ihr Name ist Vairaumati" (1892, 91 x 68 cm)

Expressionistischer Akt: Wladimir Tatlins "Weibliches Modell" (1913, 105 x 131 cm)