Ausgabe: 09 / 2007
Seite: 16
Billig gute Kunst kaufen?
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Und dabei die Atmosphäre einer Sommerparty genießen? Das geht bei der jährlichen "Vauxhall Art Car Boot Fair" im Londoner East End. Pop-Pionier Sir Peter Blake verscherbelte Grafiken für 25 Pfund. Die T-Shirts seiner Tochter waren ein Hit, ebenso die signierten Klopapierrollen von Tim Noble & Sue Webster. Plastikerin Jane Simpson lud zum Plausch bei Tee und Kuchen. Gavin Turk nahm den Titel des Flohmarkts wörtlich: Er verkaufte signierte Kofferraumdeckel für 1000 Pfund das Stück. Und die gingen weg wie warme Semmeln. 7500 Besucher kauften Kunst und Kitsch im Wert von rund 100 000 Pfund.
ZWEI ZAHLEN 11 094,- Euro verdienen Künstler in Deutschland durchschnittlich im Jahr. Auf diese Summe kommt jedenfalls die Künstlersozialkasse nach ihren Hochrechnungen für 2007. Das sind 2,5 Prozent mehr als noch im Vorjahr, da lag das jährliche Durchschnittseinkommen bei 10 814 Euro. Die in der Künstlersozialkasse Versicherten müssen jedes Jahr ihr Einkommen vorausschätzen.
190 000 000,- Euro beträgt die Summe, die die Londoner White Cube Gallery in nur fünf Wochen eingenommen hat. Von 3. Juni bis 7. Juli zeigte sie die Ausstellung "Beyond Belief" mit den neuesten Werken von Damien Hirst, darunter der mit Diamanten besetzte Totenschädel, der für 74 Millionen Euro zum Verkauf steht und damit das teuerste atelierfrische Kunstwerk aller Zeiten ist.
"Unter dem Diktat des demokratisch legitimierten Medienfaschismus fordert Vincent Willem van Gogh, die Gleichzeitigkeit des Disparaten zu schaffen und moralische Standards als globalen Prozess kultureller Übersetzung zur Debatte zu stellen. Die Rezeptionsgeschichte der klimaveränderungsgebeutelten Arbeit ,Sonnenblumen' ist die Unverzichtbarkeit der Integration." Das sagt Documenta-Macher Roger M. Buergel zu Van Goghs Sonnenblumen!
Seine verschwurbelten Äußerungen sind nicht umsonst gefürchtet. Wer neugierig ist, kann nun Buergels Wortschwall auf jedes beliebige Bild niedergehen lassen. Mit der Buergelmaschine lässt sich "ohne unangenehmes Hochschulstudium", so die Macher, "jegliche Kunst erklären". Die Texte sind frei kombinierte Original-Zitate von Buergel: www.hanebuechlein.de/exot/buergelmaschine/
HELD DES MONATS 40 Jahre saß Weltraumfantast Karl Hans Janke (1909 bis 1988) in einer psychiatrischen Klinik in der DDR. Dort entwarf er mit Akribie tausende Zeichnungen von Raumschiffen, mit denen die Menschheit den Weltraum erobern sollte. Friedlich, wohlgemerkt! Dafür setzte er sich auch über Naturgesetze hinweg. Nicht ohne Grund findet die Ausstellung im Museum Peenemünde statt (bis 4. November): Hier forschte im Zweiten Weltkrieg Wernher Freiherr von Braun an der unheilvollen "Wunderwaffe" Hitlers, der V2-Rakete. Kurator Peter Lang sieht die Gegenüberstellung von dem verrückten Ingenieur und dem Raketenbauer als Provokation.
Eine Frage der Ausstellung sei: "Wie gehen Ingenieure mit dem um, was sie erfinden?" Von Braun habe sich mit dem Militär eingelassen, um seinen Traum vom Weltraumflug zu verwirklichen, Janke stelle den Gegenentwurf dar. Er entwickelte zwar keine funktionierenden Raumschiffe - aber auch keine Waffen. Infos unter: www.peenemuende.de
KLEINE ENZYKLOPÄDIE DER KUNSTKLISCHEES (5)
Enfant terrible, das: [n., ãfãt 'ribl; frz. >schreckliches Kind
