Ausgabe: 09 / 2007
Seite: 90

Spiegelbilder auf dem Ölteppich

Von Manfred Schwarz

Einzelschau des amerikanischen Installationskünstlers im NRW-Forum DÜSSELDORF: GARY HILL - STRANGE TRAJECTORIES

Das Sichtbare, so könnte man die Prägung auf dem massiven Goldbarren übersetzen, ist stets ein Abbild des Verborgenen. Äußerst glänzend, kaum weniger edel, präsentiert sich auch die Oberfläche des Öls, das in ein großes Becken eingelassen ist; der Goldbarren ragt aus diesem Pool heraus - sinnfälliger kann man den Bezug zwischen Öl und Geld, dessentwegen schon Kriege geführt wurden, nicht darstellen. 2000 Liter reines Mineralöl bilden eine tiefschwarze, makellos spiegelnde Folie, auf der man Videofilme Gary Hills, 56, verfolgen kann.

Diese beziehungsreiche Szene ist Teil der Installation "Frustrum", die zusammen mit vier weiteren raumgreifenden Arbeiten des amerikanischen Medienkünstlers im Zentrum der Düsseldorfer Ausstellung steht. Neben den Neuproduktionen sind Re-Installationen älterer Arbeiten ("In Situ", 1986/2007) und eine umfangreiche Auswahl seiner Videoprojekte zu sehen. Erst zum zweiten Mal wird dem Videokünstler eine Einzelausstellung in Deutschland gewidmet. Sie kommt zum richtigen Zeitpunkt: weil Hill in seinen neuen Arbeiten die meist verborgenen Beziehungsgeflechte hinter der künstlerischen Bilderproduktion und dem Bilderfieber des Kunstmarkts sichtbar macht.

Ausrichter ist das "imai" (inter media art institute), das aus einer privaten Medienkunstagentur hervorging und sich nun als gemeinnützige Stiftung für die Archivierung, Erhaltung und Erforschung neuer Medienkunst engagiert und an der die Stadt Düsseldorf beteiligt ist.

Termin: 16. September bis 28. Oktober.

Internet: www.imaionline.de und www.nrw-forum.de