Ausgabe: 09 / 2007
Seite: 88

Imaginäres Museum der Moderne

Von Gerhard Mack

Die Galerie Beyeler feiert ihren 60., die Fondation ihren zehnten Geburtstag BASEL/RIEHEN: DIE ANDERE SAMMLUNG. HOMMAGE AN HILDY UND ERNST BEYELER

O hne ihn gäbe es die Alberto-Giacometti- Stiftung nicht, deren Bestände die Museen in Basel, Zürich und Winterthur bereichern. Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen verdankt ihm ihre wunderbaren Bestände von Paul Klee. An Museen rund um den Globus, selbst nach Teheran, konnte Ernst Beyeler Spitzenwerke vermitteln. Über 16 000 Gemälde, Skulpturen und Arbeiten auf Papier, Drucke nicht gezählt, sind durch seine Hände gegangen, seit er 1947 das Buchantiquariat, das er zwei Jahre zuvor von Oskar Schloss übernommen hatte, in eine Kunstgalerie umwandelte.

Jetzt feiert die Galerie ihren 60. Geburtstag, und das Museum, das Ernst und Hildy Beyeler der Kunst der Moderne gestiftet haben, ihr zehnjähriges Bestehen. Und wie ließe sich das Doppelfest anders begehen, als mit einem "Musée imaginaire" aus denjenigen Werken, die Beyeler einmal weitergereicht, und denjenigen, die er, anfangs teils zu seinem Leidwesen, behalten und zuletzt in eine eigene Sammlung eingebracht hat.

Ein Jahr lang hat sich Kurator Oliver Wick ins Archiv versenkt und eine subjektive, wiewohl gut begründete Auswahl getroffen. Qualität ist dabei oberstes Gebot.

Paul Gauguin, Vincent van Gogh, Paul Cézanne bilden den Auftakt zum Gang durch die Moderne. Von Claude Monet wird ein weiteres dreiteiliges Seerosenbild aus London das hauseigene Werk ergänzen. Im Zentrum aber steht Pablo Picasso. Mit dem Spanier verband Beyeler ohnehin eine besondere Beziehung, ein Brustbild von ihm war auch der erste in einer langen Reihe von Ankäufen, die das New Yorker Museum of Modern Art bei dem Basler Galeristen tätigte. Zwei Säle zum Früh- und Spätwerk Fernand Légers bezeugen eine besondere Liebe des Sammlers. Die Scherenschnitte von Henri Matisse, die Beye ler als erster Händler in ihrer Bedeutung entdeckte, erfahren mit Leihgaben aus dem Stedelijk Museum in Amsterdam großartige Verstärkung. "Wir zeigen eine Hommage an den großen Händler und Sammler und müssen uns auf wenige Kernpunkte seines frühen Erfolges konzentrieren", sagt Oli ver Wick, und man merkt ihm an, dass er mühelos ein weiteres Dutzend Ausstellungen komponieren könnte.

Termin: bis 6. Januar 2008. Katalog: Hatje Cantz Verlag, 45 Euro. Internet: www.beyeler.com

Oben: "Frau aus Arles" (1890, 60 x 50 cm) von Vincent van Gogh.

Rechts: "Frau mit Blumenkrone" (1939, 54 x 33 cm) von Picasso