Ausgabe: 09 / 2007
Seite: 97

Gewichtige Leere

Von Stefan Lddemann

HERFORD: KUNST DER STILLE

MARTa schweigt. Jan Hoet natürlich nicht. Mit seiner Ausstellung über die Stille in der Kunst verschafft sich der Leiter des Herforder Museums Gehör in diesem lauten Kunstsommer. Denn sein mit Exponaten von Duchamp und Beuys bis Warhol und Richter straff gespannter Spannungsbogen macht dem Mann, der 1992 die Documenta 9 verantwortete, alle Ehre. Dass das Name-Dropping nicht zum gepressten Fortissimo anschwillt, ist einer Ausstellungsregie zu danken, die im scheinbar beiläufigen das gewichtige Exponat entdeckt und weitgehend verwirklicht, was in Kassel derzeit über den Leitspruch kaum hinauskommt - eine Migration der Form, die zugleich ei nen thematischen Fokus sichtbar macht. In Hoets Schau ist dies die Einsicht, dass Medien nicht hintergehbar sind. Anders gesagt: Nur wer etwas zeigt, macht das Gespräch über Leere möglich. Ob Hiroshi Sugimotos Bilder von blanken Leinwänden oder ein Foto des schweigenden Ad Reinhardt von Marvin Lazarus - solche Werke umkreisen beharrlich dieses Paradox.

Termin: bis 7. Oktober. Katalog: 28 Euro.

Internet: www.marta-herford.de

STEFAN LÜDDEMANN