Ausgabe: 09 / 2007
Seite: 97

Labyrinthischer Schmuddelort

Von Susanne Altmann

PRAG: DIE 3. BIENNALE

Die Organisatoren der 3. Prag-Biennale haben ihr Motto wohl zu wörtlich genommen. Im "Labyrinth von Mitteleuropa" sollten "das kollektive Gedächtnis und Grenzbereiche der Malerei" aufeinander treffen, kündigten die Macher, "Flash Art"-Herausgeber Giancarlo Politi und seine Partnerin Helena Kontova, im Vorfeld an. Tatsächlich irren die Besucher in einem Gewirr von Stellwänden und ineinander fließenden Themenbereichen umher; auch die Mühen einer Lageplanerstellung hat man sich erspart. So bleibt die mangelhafte Vermittlung der über 200 Kunstwerke wie schon vor zwei Jahren ein Ärgernis.

Die größte Stärke der Prager Biennale ist ihre Konzentration auf osteuropäische Kunstproduktion. Hier hat das Publikum besser als anderswo die Chance, blinde Flecken zwischen Sofia und Bratislava, Bukarest und Riga zu füllen. Der tschechische Satellit im diesjährigen Kunstfieber stellt darüber hinaus eine Art Spielwiese für international noch nicht arrivierte Künstler und Kuratoren dar. Doch war man 2005 noch geneigt, die Baustellenatmosphäre in der Fabrikhalle im Stadtteil Karlín als charmanten Genius Loci zu akzeptieren, so stört sie mittlerweile als Zeichen der Nachlässigkeit doch sehr. Die Leitung des Low-Budget-Events verließ sich offenbar zu sehr auf das sprichwörtliche Improvisationstalent des ehemaligen Ostblocks.

Inmitten des Chaos sind gleichwohl einige passable Präsentationen gelungen.

Die von Laima Kreivyte und Luigi Fassi zusammengestellte Abteilung baltischer Künstler überzeugt ebenso wie die Ausstellung slowakischer Altmeister und Jungstars, deren Auswahl Juraj C? arnc aus Bratislava besorgte. Einen Heimvorteil genießt der Prager Allroundkünstler Jir?í David, der unter seinen Kollegen ausgewählt hat. Besonders erfreulich ist dabei der Beitrag Václav Stratils:

Der 57-jährige Tscheche tat das einzig Richtige an diesem Schmuddelort - er sprühte seine Graffiti direkt auf die Wände.

Nicht weit davon hat der Slowake Viktor Frešo seinen Kommentar auf die Mauer gepinselt: "Ich danke Gott, dass ich auf der Prager Biennale ausstellen darf." Von derlei Galgenhumor können alle hier Beteiligten nur lernen.

Termin: bis 16. September. Katalog: 35 Euro (in Englisch). Internet: www.praguebiennale.org