Ausgabe: 09 / 2007
Seite: 130

NACHGEFRAGT

Von

Matthias Weiß, 36, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Sonderforschungsbereich "Kulturen des Performativen" an der Freien Universität Berlin, schrieb seine kunstgeschichtliche Dissertation über die Videoclips des Popstars Madonna. Unlängst ist die Arbeit als Buch im Dietrich Reimer Verlag erschienen. art: Madonnas Videoclips - ein Fall für die Kunstgeschichte?

Weiß: Sie funktionieren kommerziell und sind zugleich künstlerisch-konzeptionell extrem stark durchgearbeitet - diese Janusköpfi gkeit hat mich interessiert.

Haben Sie sich die Videos auch ohne Musik angeschaut?

Nein. Ich verstehe das Musikvideo als eine televisuelle Form des Musiktheaters. Es ging darum, Bild und Musik in ihrer Wechselbeziehung zu untersuchen. Man kann dann zum Beispiel erkennen, dass Zitate in diesen Videos gar nicht so beliebig eingesetzt werden wie gemeinhin angenommen.

Können Sie ein Beispiel geben?

Im Videoclip zu "Material Girl" wird Mitte der achtziger Jahre der Marilyn-Monroe- Film "Blondinen bevorzugt" von 1953 zitiert.

Das ist nicht als Plagiat, sondern als Revision des im Film vorherrschenden Frauenbildes zu verstehen.

Welche Gebiete der Madonna-Wissenschaften bedürfen weiterer Untersuchungen?

Vor allem ihre Live-Auftritte und der gesamte Bereich der inszenierten Fotografie.