Ausgabe: 09 / 2007
Seite: 125

Ohne Druck und Zwang

Von Kerstin Schweighfer

Antwerpen: Jan Fabre hat ein Kreativitätslabor eröffnet

Luc Tuymans brachte ein Deckengemälde an, Rob Scholte schickte eine Aluminiumarbeit, und Marina Abramovic´ schrieb mit Schweineblut Rezepte an die Küchenwand. Etwa 30 befreundete Künstler haben das belgi sche Allroundtalent Jan Fabre, 49, anlässlich der Eröffnung seines neuen Antwerpener Kunstzentrums "Troubleyn/Laboratorium" mit einer Arbeit beglückt. Der Theatermacher, Choreograf, Autor und bildende Künstler hat einen alten Theater- und Schulkomplex im Stadtteil Seefhoek zu einem "Labor für Forschung und Kreativität" umbauen lassen. "Das ist ein Ort, wo künstlerische Denkprozesse in aller Ruhe vollendet werden können", erklärt Fabre, der hier selbst seinen Beitrag zu den Salzburger Festspielen vorbereitet hat und sich derzeit auf eine große Einzelausstellung im Louvre 2008 konzentriert.

30 junge Künstler haben die Möglichkeit, unter einem Dach mit dem renommierten Meister an interdisziplinären Projekten zu arbeiten - auf Übungsbühnen, in Ateliers, Tanzstudios und Bühnenbildwerkstätten.

"Ganz ", betont Fabre.

Denn Publikum ist nur in Ausnahmefällen zugelassen. Zur Präsentation erster Arbeiten können etwa Theaterdirektoren, Produzenten oder Galeristen eingeladen werden.

Finanzieren konnte Fabre den rund zwei Millionen Euro teuren Umbau mithilfe von kommunalen und staatlichen Subventionen.

Den Gebäudekomplex hat er für die Dauer von 36 Jahren in Erbpacht von der Stadt Antwerpen übernommen. Die soll das Kunstlabor nach Ablauf als Geschenk erhalten - und zwar als "voll eingerichtetes Museum voller zeitgenössischer Kunst", in dem Künstler der verschiedensten Stilrichtungen ihre Spuren hinterlassen haben.

Der für den Umbau verantwortliche Architekt Jan Dekeyser hat deshalb sämtliche "Narben und Verletzungen aus der Vergangenheit" sichtbar gelassen: "Zu viel Schönheit und perfektes Design", sagt er, "haben in einem Labor nichts zu suchen."

KERSTIN SCHWEIGHÖFER