Ausgabe: 09 / 2007
Seite: 124

Furcht und Unterdrückung

Von Hans Pietsch

Museum: Schlechter Führungsstil im Baltic-Zentrum Gateshead

Eigentlich hätte das Baltic Centre for Contemporary Art allen Grund zum Feiern. Das in einer früheren Getreidemühle im nordenglischen Gateshead eingerichtete Institut feierte seinen fünften Geburtstag, insgesamt 2,5 Millionen Besucher sahen Ausstellungen von Künstlern wie Anish Kapoor und Antony Gormley.

Und doch scheint das Haus nicht zur Ruhe zu kommen. Der Amerikaner Peter Doroshenko ist schon der dritte Direktor. Sein Vorgänger nahm unter nicht ganz ge klärten Umständen seinen Hut, Vorwürfe der Misswirtschaft wurden laut.

Und nun das: 46 Mitarbeiter, etwa ein Drittel der Belegschaft, beschwer ten sich in einem Dokument über den "unzumut ba ren" Führungsstil ihres "tyrannischen" Direktors. Zehn Mitarbeiter hätten in den letzten zwölf Monaten das Haus verlassen, darunter Kustoden, die sich in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt gefühlt hätten. Der Vorsitzende des Stiftungsrates, Sir Ian Wrigglesworth leitete daraufhin eine Untersuchung der Vorwürfe ein. Vor einem Jahr hatte es schon einmal eine Meuterei gegeben. Damals hatte Direktor Doroshenko auf einen Brief der Gewerkschaft Unison zwar "ein Klima von Furcht und Unterdrückung" im Haus eingestanden, aber dann die Angelegenheit für erledigt erklärt.

Nun musste er doch klein beigeben und sich bei der Belegschaft entschuldigen. In einem der Presse zugespielten internen Rundbrief sprach er von der "verständlichen Verärgerung" sei ner Mitar beiter wegen seines Führungsstils und gelobte Besserung.

Ohne ein "positives Arbeitsklima" seien die gesteckten Ziele nicht erreichbar. Auf einer Sondersitzung bestätigte der Stiftungsrat Doroshenko in seinem Amt, doch Beobachtern ist klar, dass er auf Bewährung weiterregiert.

Internet: www.balticmill.com