Ausgabe: 08 / 2007
Seite: 98

Hitchcock und seine Brüder

Von Birgit Sonna

MÜNCHEN: JOHAN GRIMONPREZ

Die Pinakothek der Moderne stellt Filme und Skizzen des belgischen Medienkünstlers vor. Mit Anzug und Melone sind sie alle ausstaffiert, die wie aus dem Nichts auftauchenden Doppelgänger von Alfred Hitchcock. Doch welcher Gentleman kommt ihm am nächsten?

Angesichts der vielen Doubles, die hier durch die Hotelkorridore geistern, ist das schwer zu sagen. Der belgische Medienkünstler Johan Grimonprez schleust den Betrachter in seinem Film "Looking for Alfred" (2004) durch einen wahren Irrgarten an Doppelgängermotiven, Rückblenden und Loops; gedreht wurde im Palais des Beaux-Arts in Brüssel.

Grimonprez hat Hitchcock als Visionär der heutigen Medienwelt ausgemacht:

"Ab jetzt wird uns die Fiktion als Realität verfolgen - und damit auch jenes unheimliche Gefühl, dass wir die Dinge schon einmal gesehen haben, dass es alles doppelt gibt." So gerät man in eine filmische Verkettung von Bildern, die einem bekannt erscheinen, was sich jedoch als Täuschung entpuppt. Wie vormals Hitchcocks Vögel segeln nun Schwärme schwarzer Schirme vom Himmel herab. Eine blonde Schönheit bringt als Opfergabe eine Friedenstaube dar, an der sie sich offenbar eben erst vampirisch vergangen hat. Auch das ein Déjà-vu:

Die Szene findet ihr berühmtes Vorbild in einem Gemälde von René Magritte.

Das melancholisch von Violinenklängen untermalte, farbbrillante Filmopus wird in der Ausstellung durch Zeichnungen und Collagen ergänzt, in denen Grimonprez mit oftmals karikaturistischem Elan den Entstehungsprozess umreißt.

Seinen Durchbruch hatte der 1962 geborene Belgier auf der Documenta 10 mit "Dial H-I-S-T-O-R-Y" (1997). Auch diese thrillerartige Filmcollage zur Geschichte der Flugzeugentführungen wird in München präsentiert.

Warum bekommt man nicht mehr dieser klug choreografierten Filmarbeiten zu sehen? Die Erklärung liegt beim Künstler selbst: Johan Grimonprez arbeitet extrem langsam, recherchiert und plant seine filmischen Produktionen von langer Hand. Für "Looking for Alfred" hat er ein aufreibendes Casting angezettelt - und in New York, Los Angeles und London nach geeigneten Hitchcock- Doubles gesucht.

Termin: bis 19. August. Katalog: Hatje Cantz Verlag, 35 Euro, im Buchhandel 38 Euro.

Internet: www.pinakothek.de