Ausgabe: 08 / 2007
Seite: 99
Zwangsumtausch
Von Sandra Danicke
RÜSSELSHEIM: REALITY BITES
Die Opelvillen zeigen "Kunst nach dem Mauerfall". Der Volkspolizist trägt ein Lippenpiercing. Kein Wunder, der Film ist im Jahr 2000 gedreht. Die DDR war längst Geschichte, doch das Hotel Sittavia in Zittau praktizierte nach wie vor hinter der Fake-Mauer.
Christian Jankowski fuhr mit ehemaligen DDR-Bürgern hin und ließ sie vor laufender Kamera ihre Ängste von damals noch einmal durchleiden. Das Ergebnis - eine irritierende Mischung aus Kammerspiel und Reality-TV - ist einer von zahlreichen Belegen dafür, dass die Wieder vereinigung und ihre Folgen viele Künstler inspiriert haben. So auch Sophie Calle, die erzählte Erinnerungen an kommunistische Denkmäler dokumentiert, oder Eva Leitolf, die Tatortfotos von fremdenfeindlichen Anschlägen in den neuen Bundesländern erstellt hat. Dass die poppigen Bilder von Michel Majerus oder Daniel Pflumms Collagen weltweiter TV-Nachrichten-Trailer eine direkte Folge des Mauerfalls seien, erscheint allerdings etwas weit hergeholt.
Termin: bis 2. September. Katalog: Hatje Cantz Verlag, Deutsch/Englisch, 39,80 Euro.
Internet: www.opelvillen.de
